Was bedeutet für mich „Bildung“?

Auslöser war folgender Artitel in den Nachdenkseiten, der sich auf diesen Artikel in der ZEIT und die darin erwähnte Studie bezieht.

Der folgende Text hat das Ziel meine Gedanken zum Thema Bildung zu formulieren. Ich werde weder das aktuelle Bildungssystem der einzelnen Bundesländer auf Schwächen analysieren, noch sagen können „So gehts richtig. Dann wird alles besser.“ Daher kann es durchaus sein, dass meine Gedanken nichts Neues sind, bzw. durchaus schon vereinzelt umgesetz. Doch warum dann die ganze Mühe?

Ich rege mich gerne und sehr viel über Dinge auf, bei denen ich denke, dass es schlecht läuft. Wenn jedoch hinter dem Ärger und Unmut über aktuelle Zustände keine substanziellen Ideen und Vorstellungen stecken, wie man es besser machen kann, dann ist dieser Ärger nichts als heiße Luft und man entspricht dem typischen Wutbürger. Und genau diesem selbstgerichteten Vorwurf möchte ich mit diesem Text begegnen.

Das humboldtsche Bildungsideal

Der zentrale Punkt um den sich meine Gedanken drehen, ist die Frage „Was bedeutet für mich Bildung?“ oder „Was sollte sich ein Bildungssystem als Ziel nehmen?“. Als erste Antwort möchte ich die zentralen Punkte des Humboldtschen Bildungsideal aus der Wikipedia zitieren.

Ein autonomes Individuum soll ein Individuum sein, das Selbstbestimmung und Mündigkeit durch seinen Vernunftgebrauch erlangt.

„Das Weltbürgertum ist jenes kollektive Band, das die autonomen Individuen, unabhängig von ihrer sozialen und kulturellen Sozialisation verbindet: Bei Humboldt heißt es: ‚Soviel Welt als möglich in die eigene Person zu verwandeln, ist im höheren Sinn des Wortes Leben.‘ Das Bemühen soll darauf zielen, sich möglichst umfassend an der Welt abzuarbeiten und sich dadurch als Subjekt zu entfalten. Zum Weltbürger werden heißt, sich mit den großen Menschheitsfragen auseinanderzusetzen: sich um Frieden, Gerechtigkeit, um den Austausch der Kulturen, andere Geschlechterverhältnisse oder eine andere Beziehung zur Natur zu bemühen.“ Die universitäre Bildung soll keine berufsbezogene, sondern eine von wirtschaftlichen Interessen unabhängige Ausbildung sein.

Dies kann ich so unterschreiben. Doch warum gerade dieses Ziel?

Jeder Mensch ist Teil der Welt und daher verändert er die Welt um ihn herum mit seinen Handlungen. Da viele Veränderungen nur schwer umkehrbar sind, ist es wichtig sich vorher mit den Folgen des eigenen Handelns auseinander zu setzen; also eine ethische Abwägung der eigenen Handlungen im Bezug auf unsere Umwelt durchzuführen. Doch wie soll man dazu in der Lage sein, wenn man seine eigenen Umwelt nicht versteht, wenn man nicht nachvollziehen kann Wie und Warum etwas passiert? Bevor man sich mit den Folgen des eigenen Handelns auseinander setzen kann, muss man verstehen wie die Welt funktioniert, nicht detailiert aber dennoch allgemeinumfassend. Daher sollte ein Bildungssystem ein allgemeines Verständnis der Welt um uns herum als Ziel haben.

Jeder Mensch ist Teil einer Gesellschaft und daher haben seine Handlungen auch Auswirkungen auf andere Menschen in der Gesellschaft. Im zweiten Teil des Zitats steht:

Zum Weltbürger werden heißt, sich mit den großen Menschheitsfragen auseinanderzusetzen: sich um Frieden, Gerechtigkeit, um den Austausch der Kulturen, andere Geschlechterverhältnisse […]

Allgemein kann man sich die Frage stellen, wie wir Menschen miteinander leben wollen. Wollen wir eine Welt, in der sich jeder selbst der nächste ist, oder wollen wir eine Welt in der sich Menschen gegenseitig unterstützen um als Gemeinschaft zu existieren. Ich persönlich halte die erste Version für nicht erstrebenswert. Jeder wird Momente aus seinem Leben kennen, in denen man allein nicht mehr weiterkommt und erst durch Hilfe von Außen eine Lösung findet. Daher halte ich es für erstrebenswert einen möglichst gerechtes und friedliches Zusammenleben zwischen allen Menschen als Ziel zu haben und Probleme der Menschen wie Krieg, Krankheit, Armut, Hunger zu bekämpfen. Die Formulierung der Menschenrechte in der UN-Charta zeigt das diese Idee nicht neu ist. Jedoch reicht es nicht, wenn diese Menschenrechte durch Mitgliedschaft in der UN formal festgeschrieben stehen. Daher schließe ich mich Humboldt an, dass jeder Mensch, jedoch gemäß seinen Ressourcen, an der Erreichung der obigen Ziele arbeiten muss und wenn es nur darum geht, sich selbst mit dem Thema auseinander zu setzen. Das bedeutet insbesondere, dass dem „Westen“, also den reichen Industrienationen, einen höhere Verantwortung obliegt, an diesen Zielen zu arbeiten.

Doch bevor man an diesem Zielen arbeiten kann, muss man ersteinaml in der Lage sein, sich mit den zugrunde liegenden Problemen auseinander zu setzen. Hierfür gilt das Gleiche, wie bei den Auswirkungen auf die Umwelt. Wenn ich nicht verstehe, warum es Armut, Hunger, Krieg, Krankheitsepidemien gibt, dann kann ich auch keine Lösung finden.

Somit ist für mich das Ziel von Bildung klar definiert. Es geht darum das Wissen zu vermitteln, welches notwendig ist die Welt um uns herum, sowohl bezüglich der Natur, als auch den Menschen betreffend, zu verstehen und gleichzeitig die Kompetenzen zu fördern, für diese Probleme Lösungen zu entwickeln. Nichts geringeres sollte hinter dem Begriff Bildung stehen.

Damit wird auch deutlich, dass Bildung kein Prozess ist, der nach der Schule oder dem Studium abgeschlossen ist. Es ist ein Prozess der einen das ganze Leben lang gegleitet und nie zu Ende ist.

Kann man objektiv das „beste“ Ziel bestimmen?

An diesem Punkt kommt aber die Frage auf, warum gerade dieses Ziel? Gibt es nicht andere Dinge die vielleicht wichtiger sind? Durchaus, jedoch glaube ich, dass das oben formulierte Ziel mit seinen Schwerpunkten „Alle Menschen sollen gut und gewaltfrei leben können und die Umwelt um sich herum bewahren“ der kleinste gemeinsame Nenner ist, auf den sich alle einigen können. Jeder ist Teil der Gesellschaft und Teil der Natur und sollte das Interesse haben, seinen „Lebensraum“ zu bewahren. Trotz dieses kleinsten gemeinsamen Nenners, oder gerade deswegen, ist das Ziel bereits so idealistisch, das es ein gigantischer Meilenstein wäre, wenn die Menschheit dieses Ziel erreichen würde. Doch nicht weniger als solche Ideale sollten das Ziel sein, auf das man hinarbeitet. Um diesem Ideal zumindest näher zu kommen, ist es unsere Pflicht heranwachsende Menschen mit den notwendigen Mitteln auszustatten um auf die Ziele hinzuarbeiten. Und genau diesen Auftrag hat die Bildung im humboldtschen Bildungsideal.

Doch wie vermittelt man solche abstrakten Kompetenzen? Im folgenden werde ich diesbezüglich meine Gedanken zu den Bildungswegen „Schulsystem“ und „Universitätssystem“ darlegen.

Das Schulsystem

Das Schulsystem mit den 10 oder 12/13 Jahren sollte dabei die Grundvorraussetzungen schaffen, sich mit der Welt auseinander zu setzen. Dazu gehört vor allem ersteinmal Verständnis für Dinge um den Heranwachsenden herum zu schaffen. Aus diesem Grund ist die breite Auslegung des Lehrplans mit seinen vielen verschiedenen Fächern notwendig und unverzichtbar.

Die Schule ist keine und vor allem darf keine vorberufliche Ausbildung sein. Daher ist es auch nicht notwendig einen Wert der vermittelten Inhalte für den späteren Beruf zu suchen. Den muss es gar nicht geben. Der Mensch ist von Natur aus neugierig. Bei kleinen Kindern sieht man diese Neugier am deutlichsten. Sie wollen alles entdecken und verstehen. Diese Neugier muss innerhalb des Schulsystems gefördert werden. Es darf nicht das Ziel sein, Kindern zu vermitteln, wer zu viele Fragen stellt der nervt und stört den Status quo. Jedoch sagt mein persönliches Empfinden, das genau das so passiert. In der Schule geht es darum, Informationen zu lernen um bessere Noten zu bekommen. Das ist das vorrangige Ziel. Ich erinner mich noch gut an Aussagen aus meiner Kindheit. „Wenn du keine guten Noten hast, bekommst du später keinen guten Beruf.“ Das ist fahrlässig und kurzsichtig. Es muss versucht werden, die Ziele der Bildung den Schülern zu vermitteln. Warum ist es wichtig die Welt zu verstehen? Warum ist es wichtig einem heranwachsenden ein ethisches Grundkonzept zu vermitteln. Wenn man nicht weiß wofür man zur Schule geht, dann hat man auch keine Lust dazu.

Besonders bei abstrakten Fächern wie Mathematik ist das umso wichtiger. Anders als im Biologie-, Physik- oder Politikunterricht behandelt die Mathematik keine greifbaren Dinge. Es sind abtrakte Konzepte die für den Schüler keinen Mehrwert haben. Was bringt es mir zu wissen wie ich das x berechne. Ich bekomme den Satz „Wozu brauch ich das später“ sehr oft als Nachhilfelehrer in Mathematik zu hören. Aber der Mathematikunterricht hat als Ziel, im Gegensatz zu anderen natur-, oder gesellschaftwissenschaftlichen Fächern, eben nicht als vorrangiges Ziel das Verständnis für etwas zu schaffen. In der Mathematik soll(te) vermittelt werden, wie man Probleme löst. Nicht mehr und nicht weniger ist das Ziel von Schulmathematik.

In diesem Fach schafft man eine Ausgangsbasis wo man nichts weiter hat, als einige Regeln und Methoden. Als Beispiel seien hier die Rechenregeln wie Potenzgesetze oder Ähnliches genannt. Hinzu kommen Methoden, wie die pq-Formel oder andere Algorithmen. Dies sind unsere Werkzeuge. Ausgerüstet mit solchen Werkzeugen¹ ist es jetzt die Aufgabe Probleme zu lösen, frei nach dem Motto: So lautet das Problem, dies sind meine Möglichkeiten, wie komme ich damit zu einer Lösung. Das ist der Kern der Schulmathematik und genau das muss auch vermittelt werden.

Es geht nicht darum ein und den selben Rechenweg immer und immer wieder zu üben. Sicherlich ist das wichtig um die Regeln und Methoden zu lernen, jedoch hat das nicht mit dem Ziel des Mathematikunterrichts zu tun. In keinem anderen Fach gibt es so viele Möglichkeiten ein und dieselbe Aufgabe richtig zu lösen. Warum nicht eine Analysisaufgabe mit Hilfe der Schulgeometrie lösen, indem man das Problem grafisch darstellt. Durchaus möglich. Doch was dahinter steckt ist viel wichtiger. Durch eine Veränderung des Standpunktes oder des Blickwinkels ergeben sich völlig neue Lösungsansätze.  Genau darum geht es im Mathematikunterricht. Kompetenzen zu fördern, die den Schüler befähigen mit Hilfe von Werkzeugen selbstständig Problemstellungen zu lösen. Jedoch wird der Unterricht diesem Anspruch nur in den wenigsten Fällen gerecht.

Solche Kompetenzen werden auch im Geschichtsunterricht oder in Deutsch vermitteln. Stichwort Textgebundene Analyse. Wie formuliere ich eine Argumentation, wie bewerte und analysiere ich Informationen. Gerade diese Punkte sind die wichtigsten Werkzeuge im Erwachsenalter. Wenn ich nicht in der Lage bin, das Problem in dem ich stecke zu analysieren, werde ich auch keine Lösung finden.

Warum wird das Schulsystem diesem Anspruch nicht gerecht?

Ich möchte in diesem Abschnirr nur kurz skizzieren wo meiner Meinung nach die Probleme liegen, dass das Schulsystem diesem Anspruch nicht gerecht wird.

Der erste Punkt auf den ich eingehen möchte ist der gesellschaftliche und/oder familiäre Druck.

Die Behauptungen gute Noten sind wichtig um später einen guten Beruf zu erlangen sind absoluter Unfug. Dies erzeugt zum einen Leistungsdruck und Versagensängste bei den Schülern, wodurch die Schule als lästig und nervig gesehen wird und die eigentlich natürliche Freunde neue Dinge zu verstehen und zu erfahren wird untergraben. Sicherlich wird es immer noch Fächer geben, die nicht jeden interessieren, aber es ist ein Unterschied ob so ein Fach dann einfach nur als Angebot gesehen wird neue Dinge zu erfahren, oder als Teilvorraussetzung für den späteren Beruf. Bei Ersterem können die Noten auch schlecht sein, jedoch würden unliebsame Fächer nicht als Zwang und damit als lästig angesehen werden, was die generelle Einstellung zur Schule heben würde.

Ein weiteres Problem welches die Schule zur vorberuflichen Ausbildung macht ist der Quasi-Abiturzwang. Die landläufige Meinung ist, dass man ohne Abitur nichts im Leben erreichen kann. Anders lässt es sich nicht erklären, warum Schüler, die große fachliche Probleme haben, ins Gymnasium gesteckt werden, obwohl ersichtlich ist, dass dabei keine guten Leistungen herauskommen werden. Das man mit einem Realschulabschluss ebenfalls später gutes Geld verdienen kann ist unbestreitbar, jedoch fehlt das Wissen wozu ein Abitur ursprünglich gedacht war. Das Abitur war als Vorraussetzung für ein Studium an einer Universität gedacht, nicht als Vorraussetzung für eine Ausbildung. Dennoch gibt es viele Unternehmen, die für ihre Ausbildung lieber Abiturienten nehmen, weil diese ein angeblich höheres Bildungsniveau haben. Ein Abitur sollte man also nur deswegen anstreben, um später zu studieren. Für alle anderen Berufe ist es erstmal unnötig.

Genau diese Überlegung kommt aber zu einem weiteren Problem. Nämlich die forschreitende Verkürzung der Schulzeit.

Dazu ist anzumerken, das jeder Mensch unterschiedlich schnell lernt. Der eine braucht 2 Minuten um einen Sachverhalt zu erfassen, der andere 30 Minuten. Wenn das Ziel der Bildung und damit auch der schulischen Bildung das oben erwähnte Ideal ist, kommt man nicht drumherum festzustellen, dass man diesen Prozess nicht beliebig beschleunigen kann, wenn man alle, oder zumindest möglichst viele, dort hinführen möchte. Daher ist die aktuelle Verkürzung der Schulzeit ein gravierendes Problem. Ziel ist es schneller junge Erwachsene in das Berufsleben zu entlassen oder in Managementsprache „Humankapital zu produzieren“, was aber exakt das Gegenteil dessen ist, was Schule bezwecken sollte. So kommt es, dass man von 15/16 jährigen verlangt sich zu entscheiden, ob sie Abitur machen wollen oder einen Beruf lernen. Wie viele können von sich behaupten, sie wussten in dem Alter bereits genau was sie später beruflich machen wollten und wie viele haben sich in ihrer Jugend so entwickelt, das sich ihre Interessen oder ihre Ansichten geändert haben. Daher glaube ich, dass das Schulsystem lieber verlängert werden sollte, statt immer weiter verkürzt zu werden.

Man kann darüber nachdenken, generell 13 Jahre zur Schule zu gehen, unabhängig vom angestebten Bildungsziel, denn vieles, was in den 3 Jahren Oberstufe gelehrt wird, ist essentiell als Bürger eines Staates und auch als sogenannter „Weltbürger“ im Sinne Humboldts. Man nehme das Funktionsweise des demokratischen Rechtsstaats, welche unverzichtbar ist für die politische Willensbildung hinsichtlich demokratischer Wahlen.

Damit würde man das Tempo aus der Schulzeit herausnehmen und so auf die unterschiedlichen Entwicklungsgeschwindigkeiten der Schüler eingehen. Es bliebe auch Zeit für Muße. Also Zeit für die persönliche Identitätsbildung und freie Beschäftigung mit Dingen die einen interessieren. Außerdem bliebe mehr Zeit auf leistungsschwächere Schüler einzugehen und leistungsstärkere Schüler zu fördern.

Der Leistungsfetisch

Einen Punkt auf den ich in diesem Zusammenhang näher eingehen möchte, ist die Ökonisierung des Bildungssystem.

Die Idee dahinter ist, dass man sich anmaßt Bildungserfolge qualitativ, nur anhand der Noten, zu ermitteln. Welches Bildungssystem produziert die besten Schüler? Ein erfolgreiches Bildungssystem bedeutet aber nicht Aufgaben nach einem bestimmten Schema lösen zu können, wie es PISA behauptet. Ein erfolgreiches Bildungssystem zeichnet sich dadurch aus, dass der Schüler ermutigt wird, von sich aus Dinge zu erforschen und zu entdecken, kreative Talente bewusst zu machen und sich mit Gleichaltrigen auseinander setzen zu können. All das wird durch die Ökonomisierung nicht abgebildet. Es ist ein Irrglaube die soziale und inhaltliche Entwicklung eines Menschen quantifizieren zu können, da jeder Mensch anders ist und andere Interessen und Entwicklungsgeschwindigkeiten hat. Nur weil jemand schlecht in Mathe ist, heißt das noch lange nicht, das er auch ein schlechter Schüler ist.  Nur weil die Noten einige Jahre schlecht sind, muss nicht zwangsläufig der Abschluss auch schlecht sein. Vielleicht hatte der Schüler persönliche Schwierigkeiten zu überwinden, die seine Noten negativ beeinflusst haben. Solche Faktoren werden von PISA aber nicht beachtet. Es zählt nur die Note.

Die reine Ausrichtung des Bildungssystem auf gute Noten ist diametral zum humboldtschen Bildungsideal. Daher wäre es auch eine Überlegung wert, ob es Alternativen zum Notensystem gibt, da diese den Bildungserfolg nicht ausreichend abbilden können.

Das Universitätssystem

Gehen wir davon aus, dass nach Abschluss der schulischen Bildung alle nötigen Kompetenzen vermittelt wurden, um sich mit dem Alltag kritisch auseinander setzen zu können. Was sollte dann das Ziel des Studiums sein?

Ziel sollte es sein auf das oben genannte Ideal weiter hinzuarbeiten. Nachdem die Grundlagen dafür gelegt sind, ist es nun an der Zeit die Welt um uns herum zu hinterfragen und zu versuchen die Welt zu einem besseren zu machen. Das mag pathetisch klingen, doch nichts desto trotz bleibt dieser Anspruch auch wärend des Studiums aktuell. Desweiteren legt man mit der Wahl des Studienfachs sein Interesse fest, in dem man sich „umfassend“ weiterbilden will.

Auch beim Studium sollte nicht die berufliche Qualifikation im Vordergrund stehen, obwohl dies mit der Wahl des Studienfaches zusammenhängt. Die Bologna-Reform hatte aber genau das Ziel, die berufliche Qualifikation als Hauptgrund des Studiums zu etablieren, weshalb die Möglichkeit besteht nach dem Bachelor in das Berufsleben einzusteigen. Mit dem Bild des kritischen Studenten der an Universitäten mit Hilfe von Professoren und Kommilitonen gesellschaftliche Veränderung anstößt und kritisch begleitet hat das nichts mehr zu tun. Auch hier ist das humboldtsche Bildungsideal gänzlich vergessen worden. Das Studium ist übersäht mit Leistungsüberprüfungen, die dazu drängen für die Prüfung zu lernen um danach alles wieder zu vergessen, da bereits die nächste Prüfung ansteht. Der hohe Leistungsdruck der Bachelor-Studiengänge sorgt auch hier dafür, dass kaum Zeit existiert um sich und seine Umwelt zu reflektieren. Doch gerade das sollte im Studium noch stärker als in der Schule gegeben sein.

Stattdessen produzieren Universitäten aufgrund des verkürzten Schulsystems 21/22 jährige Masterabsolventen die gerade erst ihre Entwicklung zum Erwachsenen abgeschlossen haben. Das kann , meinem Verständnis nach, nicht das Ziel eines Studiums sein. Ich selbst habe Mathematik als Studienfach gewählt, weil mich die Schönheit der Mathematik fasziniert hat. Die Tatsache, aus einfachen Regeln und Zusammenhänge komplexe Strukturen zu verstehen und beschreiben zu können macht für mich die Faszination daran aus. Aber mir persönlich ist es wichtig, mich nicht nur mit meinem Studienfach zu beschäftigen. Ich habe das Glück, dass ich nebenher, trotz Nebenjob, Zeit habe mich mit den verschiedensten Dingen zu beschäftigen, die mich interessieren. Als Beispiel sei dieser Text genannt. Es hat nichts mit meinem Studium zu tun, doch es interessiert mich und ich nutze das, was ich in der Schule gelernt habe um dieses Thema für mich zu kritisch zu beleuchten. Für solche Dinge muss auch neben dem Studium Zeit sein. Denn darum geht es beim Humboldtschen Bildungsideal. Es gibt viel mehr als nur das eigene Studienfach und auch dafür sollte Zeit sein.

 

Anmerkungen

¹: Der Begriff Werkzeug ist als Metapher gemeint und bedeutet im späteren Leben Kompetenzen wie Textanalyse, kritisches Hinterfragen, oder banale Dinge wie Zeitmanagement oder handwerkliche Reperaturen.

Gedanken über Datenschutz

Da ich mich ja seit geraumer Zeit mit Post-Privacy beschäftige kommt man nicht drumherum sich eigene Gedanken zum Thema Datenschutz zu machen. Mir geht es eigentlich speziell um Datenschutz bei der Verarbeitung von Daten mit informationstechnischen Systemen. Da aber mit zunehmender Technisierung überall Computer im Einsatz sein werden, ist dieser Bereich der einzig für mich relevante.
Datenschutz grob umrissen heißt ja, mit den Daten anderer Personen nichts Böses anzustellen. Diese Daten werden dann auf irgendwelchen technischen Systemen verarbeitet. Wenn man sich mal ein beliebiges Computersystem anschaut, weiß jeder, dass es keine „perfekten“ Systeme gibt und in meinen Augen nie geben kann. Fehler können im Design, in der Erstellung oder im Betrieb des Systems passieren. Außerdem können Veränderungen von außen Bedingungen ändern und so zu Fehlern im System führen. Sicherlich kann man erkannte Fehler beheben, doch man wird ihr Auftreten nie vollkommen verhindern können.

Also komme ich zu dem Schluss das jedes technische Systemn irgendwie fehleranfällig ist. Je mehr Parteien daran beteiligt sind desto höher die Wahrscheinlichkeit. Jetzt besteht das Internet aus Computern. Das heißt, dass alle Daten, die im Internet zirkulieren,  auf fehleranfälligen Computern verabreitet werden. Datenschutz umzusetzen heißt damit auf diesen Systemen für einen speziellen Umgang mit persönlichen Daten zu sorgen. Ist dieses System vom Internet abgekoppelt wäre immer noch der Mensch als mögliche Schwachstelle, wie wir bei Wikileaks eindrucksvoll gesehen haben. Ist das System an das Internet angeschlossen, so ist es mit genügend Mitteln auch möglich dieses System anzugreifen.

Das lässt in mir nur den Schluss zu, alles was an persönliches, sensiblen Daten im Umlauf ist, ist nicht sicher, egal wie viel Datenschutz betrieben werden wird. Daher glaube ich das Datenschutz nur eine Scheinsicherheit ist, die uns ruhiger schlafen lässt, obwohl sie effektiv keine Sicherheit bieten kann.

Für mich habe ich daher den Schluss gefasst, „ins Internet“ kann von mir das, was ich jedem auf der Straße erzählen würde, wenn er mich fragt. Dinge, von denen ich nicht will, dass sie andere erfahren werde ich nicht online stellen. So wie man seine PIN ja auch nicht auf einem Zettel im Portemonaie oder sogar auf die Karte schreiben sollte.

Datenlecks in allen wirtschaftlichen Bereichen zeigen, dass es keine theoretische Gefahr ist. Dies kann man m.E. nach nicht durch schärferen Datenschutz lösen, weil Prozesse sonst zu komplex und ineffizient werden. Daher sehe ich als Lösung nur die Gesellschaft. So wie niemand Briefe aus dem Briefträgerfahrad nimmt, wenn der gerade in einem Haus ist, muss ein genereller Respekt vor den Daten anderer her.

Bis wir an diesem Punkt angelangt sind, wird der Datenschutz sein notwendiges Rückzugsgefecht führen, doch der Weisheit letzter Schluss kann er nicht sein. Daher finde ich es fatal in diesem Rückzugsgefecht auf den Datenschutz voll und ganz zu vertrauen. Die fortschreitende Technik hat die Gesellschaft so nachhaltig verändert und so müssen sich unsere Werte und Regeln des Zusammenlebens an diese Veränderung anpassen. Das geschieht aber nicht mit einer Gesetzesidee aus Zeiten vor der Veränderung.

Menschen die sich nicht an die Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens, sprich Gesetze, halten gab es schon immer und wird es immer geben. Doch daran ändern schärfere Gesetze auch nichts. Wenn jemand wirklich anderen Schaden will, schafft er es. Datenschutz hin oder her. So wie wir uns an die Gefahr, beim Autofahren ums Leben zu kommen, gewöhnt haben, müssen wir uns auch daran gewöhnen das Daten missbraucht werden konnen. Doch solange jeder das Persönliche, das Private des Individuums respektiert, wird außerhalb absichtlichem Datenmissbrauch nichts passieren.

[Nachtrag] Da es vielen Datenschutzbefürwörtern durchaus bewusst ist, das Computersysteme nie zu 100% sicher sein können, möchte ich diesem Argument gleich etwas entgegensetzen. Es wird argumentiert, selbst wenn man nicht zu 100% etwas sicher machen kann, ist es doch besser wenn das System zu 99% sicher ist. Dazu ein kleines Rechenbeispiel. Angenommen man bekommt ein System so sicher das in einem Jahr zu 0,001% ein Datenleck entsteht. Dann hätte man bereits bei 10000 Computersystemen jedes Jahr ein garantiertes Datenleck. Da die Anzahl an Computersystemen weiter steigt und steigen wird, wird es immer, egal wie fast sicher ein System ist, Datenlecks geben. Und für den einzelnen Betroffenen hat der Datenschutz in diesem Fall versagt. Daher bleibe ich trotz des Arguments, fast sicher ist besser als gar nicht sicher, bei der Meinung Datenschutz kann nicht die letzte Lösung sein.

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Schufa oder Facebook. Wer ist das Übel

Viele werden heute warscheinlich folgende Meldung lesen. Die Schufa will Soziale Netzwerke nutzen um ihr Scoringverfahren zu verfeinern. Besonders bei Facebook will man auf die vorhandenen Daten zugreifen. Jetzt gibt es Empörung über die Schufa, zu recht! Doch teilweise auch aus falschen Gründen. Es wird empört, darüber, dass die Daten von Facebook dafür genutzt werden. Doch das ist nicht der Punkt. Wer ein Facebookaccount besitzt hat zugestimmt, dass Facebook die Daten verkaufen kann. Wenn ein anderes Unternehmen diese dann kauft, ist daran erstmal nichts falsch. Es kommt darauf an, was mit den Daten gemacht wird. Doch dazu später mehr.

Die eigentliche Empörung sollte der Tatsache geschuldet sein, dass man der Meinung ist, aus Tweets, Posts, Freunden, oder allgemein: sozialen Verbindungen und Verhalten im Internet Rückschlüsse auf die Kreditwürdigkeit ziehen kann. Das ist der eigentliche Skandal. Was sagen meine Kommentare oder Freunde über meine Liquidität aus. Gar nichts, rein gar nichts! Sicher mag es hier und da Verbindungen geben. Wenn meine Freunde alle Arbeitslos sind, ist es warscheinlich das ich es auch bin, weil sich das soziale Umfeld oft am eigenen sozialen Stand orientiert. Doch selbst hier wird jeder sagen, das ist zu pauschal. Das mag zutreffen hier und da, aber nicht auf alle. Und genau darum gehts. Wenn erstmal angefangen wird, diese Vorurteile und Pauschalisierungen als Maßstab in die Kreditwürdigkeit einfließen zu lassen, dann spielt es keine Rolle mehr, wie es wirklich ist. Nur weil ich vielleicht vergesslich und unorganisiert bei Sozialen Netzwerken wirke, heißt es nicht das meine Rechnungen nicht bezahlt werden, oder ich eher gefeuert werde. Das ist alles schlechte Wissenschaft. Nur weil ich eine Wahrscheinlichkeit errechnen kann, dass etwas eintrifft, heißt es noch lange nicht, dass es eintrifft. Doch genau darum würde es gehen, bei der sozialen Analyse. Nach der Logik könnte man auch die Sieger der EM ausrechnen und dann einfach nicht spielen lassen. Ergebnis steht ja fest.

Worauf ich hinaus will ist, dass bei etwas Lebensverändernden wie der Kreditwürdigkeit nur Tatsachen als Bewertungsgrundlage für die Bonität herangezogen werden dürfen. Keine möglichen Wahrscheinlichkeiten aufgrund von Verhalten in Sozialen Netzwerken oder anderen angeblichen Zusammenhängen. Sonst kommt am Ende etwas heraus was sich „Selbsterfüllende Prophezeiung“ nennt. Wenn die Wahrscheinlichkeit besagt, dass jemand nur eine geringe Chance hat etwas zu erreichen und man ihm auf dieser Grundlage die Chance nimmt, dann ist es klar das er nichts erreicht.

Jetzt zu Facebook. Die Meldung über die Schufa nutzen viele um auf Datensammler an sich und Facebook im Besonderen zu schimpfen. Weil diese Datensammlungen ja die Wurzel allen übels ist.

Nein das sind sie nicht. Frei nach dem Spruch. „Nicht Waffen töten Menschen, sondern Menschen töten Menschen“ sind Daten an sich nicht böse. Datensammlungen auch nicht. Es gibt durchaus positive Ideen mit solchen Datensammlungen. Ein Beispiel ist die Personensuchseiten, was nichts anderes als ein Internettelefonbuch ist. Es ist der Missbrauch und auch da der Mensch, der entscheidet ob mit Daten etwas schlechtes getan wird. Ob damit Menschen beeinträchtigt werden, wie z.B die Schufa es vorhat. Facebook, Google und alle anderen sind nicht die Schuldigen. Aber ich glaube diese Thema muss ich nochmal gesondert ausführen. Das hier ist die Kurzform.

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Digital Divide – Gefahr für die Gesellschaft?

Ich lese gerade das Buch von Christian Heller aka @plomlompom und dabei ist mir ein Gedanke gekommen, der nichtmal direkt mit dem Inhalt der Zeilen zu tun hatte. Es geht um die digitale Spaltung, kurz „Digital Divide“.

(ich meine hier speziell die Möglichkeit des Gedankenaustauschs mit vielen unterschiedlichen Menschen und den damit verbundenen Auswirkungen, Facebook fällt dabei meiner Ansicht nicht darunter, zumindest zu 99%

Auch bin ich mir nicht sicher, inwieweit das hier alles schon total alt und bekannt ist. Ich habe bis jetzt über die Auswirkungen der Spaltung auf die Entwicklung einer Gesellschaft noch nicht viel irgendwo gelesen.)

Plomlompom beschreibt in dem Buch, wie Interaktion mit der Umwelt unser Selbst formt, durch das Internet noch in einem erheblich beschleunigterem Maße als analog. Das unser Selbst nur die Summe unserer Erfahrungen und den Erfahrungen derer, mit denen wir auf irgendeine Weise interagieren ist, dürfte jedem klar sein, wenn er überlegt wie Kindeserziehung funktioniert. Wo vor der rasanten Digitalisierung die Interaktion noch bedeutend eingeschränkter möglich war, nahm der Diskurs seit der Popularität des Internets in fast allen Bereichen extrem zu. In diesem Diskurs bilden sich m.E. nach auch gesellschaftliche Werte, Normen und Denkprozesse heraus. Das wird deutlich wenn man die Privatspährendiskussion in Zeiten des Internet mit jemanden führen möchte, der über den Diskurs im Netz nicht im Bilde ist. Es fehlen Termini oder allgemeine Grundlagen, sodass beide sich untereinander nur sehr schwer, bis gar nicht verstehen. Eine Gesellschaft entwickelt sich durch Diskurs, durch Austausch von Meinungen, durch gemeinsame Bewertung und Analyse von Vorgängen. Daraus leiten sich Regeln für das Zusammenleben ab. Durch die Digitale Spaltung haben wir aber auch eine Gesellschaftsspaltung. Wärend die eine sich in gewohntem Tempo entwickelt, sorgt das Internet hier für eine beschleunigende Wirkung. Da es in kürzerer Zeit viel mehr Meinungsaustausch gibt, entwickelt sich diese Internetblase, oder Gesellschaftsblase schneller als ihr analoges Gegenstück. Das sieht man auch an der Onlinebewegung rund um das Thema Netzpolitik. Vergleicht man den Diskursfortschritt zwischen Offline und Online, so stellt man doch beträchtliche Unterschiede fest. So langsam schwappt alles in die analoge Welt. Diese Diskrepanz findet m.E. nur in so starkem Maße statt, weil die gesamte Gesellschaft, die das Thema ja betrifft, noch nicht im Netz angekommen ist. (wie gesagt, Facebook zählt hier nicht)

Meine Befürchtung ist, je länger die Gesamtheit der Gesellschaft nicht gleichermaßen an den Möglichkeiten des Netzes beteiligt ist, desto schneller wird der gesellschaftliche Graben immer größer. Möglicherweise soweit, das, sollten endlich alle im Netz ankommen, dennoch riesige, schwer zu überwindende Gräben existieren, da sich beide Teile unterschiedliche schnell entwickelt haben.

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Von Turboabi und Karrieregeilheit

Folgender Artikel hat mich tief bewegt und viele Gedanken angestoßen das ich nicht umhin kam, dazu einen längeren Text zu verfassen.

Es geht darum, ob das Turboabitur den Schülern nicht zuviel abverlangt und ihnen die Unbeschwertheit der Kindheit raubt. Grundsätzlich gebe ich dem Autor in allem Recht. Er hat auf so viele Weise gesagt, warum es wichtig ist Kinder nicht von klein auf mit Stress zu drangsalieren. Das es für sie wichtig ist, dass sie ihr eigenes Tempo finden, ihren eigenen Weg und so ihr eigenes Ziel.

Das Turboabi impliziert, dass alle ganz schnell fertig werden wollen und ganz schnell Karriere machen wollen, weil alle ganz schnell ganz viel Geld verdienen wollen….

Was für eine gequirlte Scheiße

Wenn man mit 17 das Abitur hat, was war das für eine Schulzeit. Abiball ohne Alkohol?! Wer wusste denn schon mit 17 was er später machen will? Ist es nicht unfair das von den jetzigen Kindern zu verlangen, wenn wir es selbst nicht mal wussten? Ich habe mit 20 erst herausgefunden was ich wirklich machen will. Davor habe ich einen Fehler gemacht und erst das Falsche angefangen und mich umorientiert. Zu der Zeit hätten die Schüler nach dem Turboabitur bereits ihren Bachelor. Was wenn sie jetzt feststellen, das wollen sie gar nicht? 3 Jahre umsonst? Den Kindern wird damit ihre Kindheit geraubt. Das unbeschwehrte sich um nichts Gedanken machende in den Tag hineinleben, wonach wir uns jetzt später so oft zurücksehnen. Daher ist es wichtig das ihr den Kindern diese Zeit lässt. Wie im Artikel gesagt, ist es schlimm genug das sich Erwachsene schon Stress machen. Wenn man Kinder dazu zwingt ist das einfach unverantwortlich. Zukunftsangst ist das allerschlimmste, wenn es um das Lernen geht. Unbeschwert nach eigenem Tempo lernt es sich so viel besser, als mit der Pistole auf dem Rücken.

Ich habe vor einger Zeit in einem Podcast gehört, dass damals, vor 10-20 Jahren die Leute nach dem Abi sich ersteinmal die Welt angeguckt haben. Sie haben irgendwas gemacht, um das Leben kennenzulernen und sich selbst auch. Mit 25 Jahren anfangen zu studieren war völlig normal. Was ist daraus geworden? Schon zu meiner Zeit wollte man direkt nach dem Abi studieren oder was anderes machen. Bloss keine Zeit verschwenden. Warum? Wovor hatten wir Angst? Vor der Aussage „Wenn du zu alt bist, hast du keine Chance auf dem Arbeitsmarkt“? Was ist das für ein Leben, in dem alles von Schulbeginn an auf den einen Job ausgerichtet ist? Nicht das Leben was ich haben will. Ich bereue es, dass ich bis jetzt noch kein Jahr im Ausland war und werde es auf jeden Fall noch nachholen, während des Studiums. Ich bereue NICHT das ich Zivildienst gemacht habe und so ein Jahr später angefangen hab zu studieren. Ich habe dieses quasi freie Jahr wirklich genossen. Ich hatte mich anfang des Zivildienstes für ein Duales Studium beworben, doch gegen Ende war ich von meiner Wahl bereits nicht mehr überzeugt. Aus Begeisterung für das Neue habe ich nicht gemerkt das es nicht das war, was ich machen wollte und so änderte ich dann nochmal mein gesamten Weg.

Wäre ich vielleicht ins Ausland gegangen und hätte ein Jahr länger Pause gemacht, wäre ich vor meiner Bewerbung für mich zu dem Schluss gekommen, was im Leben wichtig ist. Und das kam bei mir mit 20 und lautete, Geld ist nicht mein primäres Ziel.

Wie naiv ist es von einem 17 jährigen Jugendlich zu erwarten, dass er für sich diese Frage beantworten kann? Bevor man die Schwelle vom Jugendlichen zum Erwachsenen überschritten hat? Das schaffen nur wenige. Doch sollten Sie das Vorbild sein? Ist es nicht unfair ihnen die Unbeschwehrtheit ihrer Kindheit und Jugendlichkeit immer früher wegzunehmen? In meinen Augen schon! Man kann vielleicht den Ausbildungsprozess beschleunigen, aber man sollte nicht den natürlichen Entwicklungsprozess einer Person beschleunigen. Jede Person brauch unterschiedlich lang und jede Person sollte dafür die Zeit bekommen, die sie braucht, nicht anders!

Auch ist es wichtig das man Kindern und Jugendlichen die Zukunftsangst nimmt. Ich kenne es von mir selbst. Ende der 11 Klasse ging es bei mir los, dass ich Angst bekam, nach dem Abi nichts zu finden. Davor brauch man keine Angst haben. Erstmal muss man sich selbst im Klaren sein was man vom Leben will und was man später machen will. Das ist keine Frage die man mal in 5 Minuten auf dem Klo löst. Dafür brauch man einerseits Zeit, andererseits Erfahrung. Und Turboausbildung hin oder her, Erfahrung kann man nicht beschleunigen.

Ich könnte ewig weiterschreiben, denn es gibt noch viele Gründe und Dinge die mir noch einfallen, doch irgendwann muss mal Schluss sein.

Geht eure Kindheit/Schulzeit durch und überlegt wie sie war. Dann überlegt ob ihr wollt, dass eure Kinder den Stress, den ihr jetzt als Erwachsener habt, bekommen. Und währenddessen. Lasst eure Kinder Kinder sein! Lasst sie unbeschwehrt sein! Lasst sie Fehler machen und Zeit verplempern, denn ihr habt es genauso gemacht!

Medienkompetenz und Datenschutz

Auslöser dieses Artikels ist folgender Blogpost. Es geht um Datenschutz und deren Nahebringung in der Schule. Er definiert auch dem Begriff der Datenschutzethik, welche die Grundlage für den bedachten Umgang mit Daten sein soll. Der Begriff Datenschutzethik hat mich auf einen Gedanken gebracht.

Man nehme die reale Welt. Durch unsere Erziehung wird uns ein Wertekatalog vermittelt, der ein gepflegtes soziales Miteinander ermöglicht. Dabei lernen wir, dass das Eigentum anderer zu achten ist. Das andere Personen zu respektieren sind und man sie so behandeln soll, wie man auch behandelt werden will etc. Diese Werte werden im Normalfall, sollte man sie in seiner Entwicklung gelernt haben, automatisch bei der Benutzung des Webs übernommen, weil man weiß, die Entität mit der ich gerade kommuniziere ist ein Mensch, gegenüber dem ich gewisse Normen einhalte. So lässt sich auch gut erklären warum die Netiquette entstand. Sie entspricht nichts anderem, als die Übernahme der Regeln des sozialen Miteinanders in das Web. Sicherlich mag der ein oder andere hier einwerfen, das „Eigentum anderer achten“ und „Filesharing“ ein Widerspruch ist. Auf den werde ich im nachfolgenden noch eingehen. Doch zuerst auf die Auswirkung der Werte auf den Datenschutz.

Wenn ich in der realen Wert jemanden etwas erzähle, was mir eine andere Person anvertraut hat, dann gebe ich in gewisser Weise Daten, die ich hätte schützen sollen, preis. Erfährt die betroffene Person davon, werde ich dafür Konsequenzen tragen müssen, wie z.B das die Person mir nicht mehr vertraut oder gar nichts mehr mit mir zu tun haben will. Wie auch immer, es wird auf alle Fälle eine Wirkung auf mich haben, die in Verbindung damit, dass man eigentlich keinen anderen Menschen verletzen oder schaden will, mir ein negatives Gefühl bereiten wird. Daraus werde ich lernen, das so etwas scheiße ist und mich bemühen es nichtmehr zu machen. Doch damit dieser Lernprozess eintritt muss ich den Fehler erst begehen. Denn wir alle wissen. Man muss selbst Fehler machen um daraus zu lernen. Genau dieses oben beschriebene Beispiel lässt sich auf das Web übertragen. Wenn ich darin Informationen über jemand anderen preisgebe kann es dieser Person schaden, und damit indirekt auch mir, was die Beziehung zu dieser Person angeht. Und so wie in der Realität die einmal verplapperten Geheimnisse von der betroffenen Person nicht ausgelöscht werden können ist es auch im Web so. Hier greift der Prozess des Vergessens und Vergebens der andere Akteure im Web.

Die Grundsätze für den achtsamen Umgang im Web, was Daten angeht, haben wir also aus der realen Welt. Haben wir dort solch ein Verhalten nicht gelernt ist es nicht verwunderlich das es im Web auch nicht angewendet wird. Doch ohne die Tatsache das dieses Handeln mitunter große Konsequenzen für mich hat, werde ich nicht aus diesem Fehler lernen. Und dafür muss er ersteinmal stattfinden. Das man für solche Fehler nicht den Rest seines Lebens leiden muss, ist aufgabe der Gesellschaft. Denn wir alle machen Fehler, das ist normal und wir alle wachsen an unseren Fehlern.

Soviel zu dem achtsamen Umgang mit den Daten anderer. Wie wir sehen, brauchen wir dafür keine neuen Regeln. Es muss nur vermittelt werden, dass die Regeln der sozialen Miteinanders auch im Social Web gelten. Und wie auch in der Realität wird es Leute geben die einen Scheiß darauf geben. So wie auf dem Schulhof  Schüler gemobbt oder verprügelt werden, wird es auch vergleichbares im Social Web geben. Das ist in erste Linie kein digitales Problem, sondern ein gesellschaftliches.

Wie der Umgang mit meinen eigenen Daten stattfindet ist bestimmt durch die Entscheidung die ich für mich treffe, wie ich mich im Web bewegen will. Mal will ich unerkannt sein, mal will ich erkannt werden. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Doch entgegen vieler Datenschützer ist das erkannt werden im Netz nicht per se schlecht. Ich habe bis jetzt nur gute Erfahrung damit gemacht, doch wie gesagt, muss das jeder selbst entscheiden. Und diese Entscheidung wird nicht ohne Erfahrung stattfinden und damit nicht ohne Fehler die man macht. Wir stellen fest, um den richtigen Weg zu finden muss man ausprobieren welcher der richtige für einen ist. Meiner Erfahrung nach wissen alle Internetnutzer das es bestimmte Sachen gibt, die man nicht im Netz veröffentlicht, egal wie offen man sonst ist. Das gilt auch für mich. Damit man den oben beschriebenen Weg für sich finden kann, muss einem erst einmal die Angst genommen werden, das digitale Auffindbarkeit pauschal schlecht ist. Es müssen Werkzeuge und Techniken vermittelt werden, wie man sich heran tasten kann, mit möglichst wenig negativen Erfahrungen den richtigen Weg zu finden.

Nun zu dem oben beschriebenen Widerspruch von „Eigentum anderer achten“ und „Filesharing“. Da ja ein Download eines Musikstücks als Diebstahl bezeichnet wird, wird davon ausgegangen das diese Datei „Eigentum“ einer Person ist. Doch Daten sind kein Eigentum von irgendjemanden. Sie beziehen sich maximal auf eine Person. So auch die Urheberrechte. Ich erkenne den Urheber nicht als Eigentümer an. Er hatte die Grundidee. Doch damit ist er nicht Eigentümer aller weiterer Kopien. Daher ist Filesharing nicht die Missachtung des Eigentums anderer, sondern maximal die Missachtung des Vergütungsmodells welches der Urheber für diese Idee im Sinn hatte.  Da Daten kein Eigentum sein können, ist auch die Löschung von unliebsamen Inhalten falsch. Doch das ist eine andere Baustelle die ich nicht aufmachen möchte. Das sollte nur eine Erklärung sein, warum dieser Widerspruch für mich nicht besteht.

Die beiden angesprochenen Punkte, Respekt von den Daten anderer und Entscheidungsfindung bei der Frage „Wie bewege ich mich durchs Netz“ sind meiner Meinung nach Teilbereiche wenn wir über Medienkompetenz sprechen. Auch andere für uns selbstverständliche Norman und Werte für das Miteinander lassen sich so übertragen. Und wie bereits dargelegt geht es mir dabei mehr um die Vermittlung von Werkzeugen als von Konkreten Richtlinien.

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Mein Beitrag zur Spackeria: Facebook, Google und die Macht

Das folgende spiegelt nur meine eigene Meinung wieder. Ich stütze mich auf keinerlei Studien, sodern lediglich auf meine Erfahrungen und Einschätzungen bezüglich der Sache in den letzten Wochen/Monaten. Auch bin ich kein Mitwirker an dem Projekt Spackeria.

Auslöser dieses Blogpost war der Netzpolitikpodcast 109 „Die Datenfresser“. Dabei ging es um das Buch „Die Datenfresser“ von Constanze Kurz und Frank Rieger vom CCC. Wie der Titel schon sagt, ging es auch in dem Podcast hauptsächlich um die Gefahren von „Datenfressern“ wie Facebook und Google, aber auch dem Staat. Was mich störte war die Aussage, dass der Spackeria vorgeworfen wurde, die Machtfrage nicht zu stellen. Genauer: Wie gehen wir mit Konzernen um, die eine enorme Macht angesammelt haben. Daher will ich mir genau diese Machtfrage genauer angucken.

Facebook und die Macht

Die Macht, welche Facebook hat, resultiert aus der schieren Masse an Nutzern und den dadurch entstehenden Daten. Facebook weiß teilweise sicher mehr über einen Nutzer als dieser selbst, aufgrund der Verknüpfung seiner Daten mit anderen Daten. Diese Machtkonzentration ist ja erstmal nichts schlechtes. Der Machtmissbrauch ist das, was die Gefahr erzeugt. Doch die Frage wie man mit dieser Macht umgeht oder man diese begrenzt geht meiner Meinung nach zu kurz. Die Frage ist doch eher, warum hat Facebook überhaupt diese Macht? Ein Machtmissbrauch stellt sich für mich so dar, wenn mit den Daten Dinge gemacht werden, die mir schaden könnten. Wenn ich bewusst meine Daten in Facebook veröffentliche, bin ich mir im Klaren, dass damit auch Dinge geschehen können, die ich nicht vorhersehen kann. Dieses „unbekannte Unbekannte“ hat mspro in einem Artikel gut beschrieben. Doch ich bin mir der Existenz dessen bewusst. Über die aktuell möglichen Gefahren des Datenmissbrauchs bin ich mir auch bewusst, wobei ich zunächst den Missbrauch von staatlichen Stellen ausklammern möchte. Das meine Daten genutzt werden können um personalisierte Werbung zu generieren ist mir insofern egal, dass ich was Werbung angeht sehr aufmerksam bin. So kann es mir meiner Meinung nach nicht passieren, dass mich Werbung zum Kauf von etwas beeinflusst was ich nicht brauche. Sollte sie mir dagegen etwas empfehlen was mir sehr gefällt, wo ist daran das Schlechte? Die kommerzielle Verwendung meiner Daten stellt also keine Gefahr dar. Also existiert der kommerzielle Machtmissbrauch für mich nicht. Dagegen ist der postive Nutzen dieser Plattform für mich ein größerer Mehrwert, den ich außerdem permanent habe, als eine mögliche kommerzielle Verwendung von Daten, die ich eh veröffentlich habe.

Da meine bewusst veröffentlichten Daten keine Machtmissbrauch zur Folge haben können, habe ich auch nicht zum Machtzuwachs von Facebook beigetragen. Die Macht hat Facebook aufgrund von Daten, deren Ersteller nicht über die „Gefahren“ dessen wissen, oder nicht wissen, dass sie die Daten überhaupt veröffentlicht haben. Wenn Daten veröffentlicht werden, können sie auch weiterverwendet werden. Wenn ich das nicht will, kann ich bei Facebook immer noch recht gut einstellen inwieweit ich was öffentlich machen will. Und wenn ich ganz ausschließen will, das meine Daten weiterverwertet werden, dann sollte ich die Finger von Facebook lassen.

Somit ist der kommerzielle Missbrauch von Daten durch Facebook eher gering einzuschätzen und nicht größer als bei alles bisherigen Firmen, die Daten über einen haben.

Google und die Macht

Ein weiterer Kandidat für Datenmissbrauch soll ja Google sein. Sofern ich Dienste von Google nutze, für die ich einen Account brauch, gilt hier die gleiche Argumentation wie bei Facebook. Habe ich keinen Account ist die Gefahr des Machtmissbrauchs eher gering. Es ist noch die individualisierte Suche anzuführen. Meine bisherigen Suchanfragen haben direkte Auswirkungen auf meine folgenden Ergebnisse. Das passiert auch ohne Googleaccount über den Cookie im Browser. Wenn ich das nicht will, kann ich diesen regelmäßig löschen. Auch hier erschließt sich kein größeres Missbrauchspotenzial als das, was uns sowieso schon lange umgibt.

Im einer fast komplett digitalen Gesellschaft muss sich das Verständnis von Veröffentlichung und „Public“ im Vergleich zu früher ändern. Wenn ich nicht will, dass meine Daten Dinge tun, die ich nicht authorisiert habe oder noch nichteinmal gedanklich fassen kann, dann darf ich kein Medium nutzen, welches für die Datenverbreitung konzipiert wurde. Der Mehrwert, welcher bei der Zusammenführung von Daten ensteht überwiegt zur Zeit einfach der Angst, das etwas Schlechtes dardurch passieren kann.

Machtmissbrauch durch staatliche Stellen

Wie ich gesagt habe, können die Unternehmen an sich keinen großen Machtmissbrauch ausüben. Die Gefahr geht primär vom Staat aus, der sich dieser Daten habhaft macht, denn nur der Staat hat die Möglichkeit mir das Leben wirklich schwer zu machen. Wenn wir also über Datenschutz und Datenmissbrauch reden, bringt es meiner Meinung nach nicht viel auf die Unternehmen zu schimpfen, da wir ihre kostenlosen Dienste mit unseren Daten bezahlen und bei der Anmeldung dies auch abnicken. Stattdessen muss dem Staat wirksam unterbunden werden auf diese Daten zuzugreifen. Facebook und Google haben vielleicht die Daten, aber die Macht und Möglichkeit zum Machtmissbrauch hat fast ausschließlich der Staat. Eine wirksame Möglichkeit Datenmissbrauch zu verhindern wäre also, das Bewusstsein der Nutzer von Internetdiensten zu schärfen, wenn es darum geht was sie veröffentlichen und dem Staat auf die Finger zu schauen damit ihre veröffentlichten Daten nicht repressiv gegen sie eingesetz werden. Beide Punkte sind nur gesellschaftlich und über einen längeren Zeitraum umsetzbar. Datenschutzgesetze sind nichts anderes als das kurzfristige Reparieren eines veralteten Systems.

Die Spackeria und der Datenschutz

Wie man sieht sind meine Ansichten durchaus mit der Spackeria in Einklang zu bringen und das ist auch gut so. Was mich aber stört ist, dass die Ziele der Spackeria mit der Abschaffung der Privatsphäre gleichgesetz werden. So habe ich es erschreckend oft aus dem CCC/Netzpolitik.org Umfeld gehört. Wer sowas behauptet hat sich damit nicht auseinander gesetzt. Es geht nicht darum Privatspäre abzuschaffen oder jeden zum digitalen Exibitionismus zu erziehen. Es gibt eine kleine Menge Personen die so leben und die Spackeria ist der Erklärungsversuch warum wir das so machen. Spackeresk heißt auch nicht, ALLE Daten veröffentlichen zu müssen. Es geht vielmehr darum einen Diskurs anzustoßen, der einerseits die Medienkompetenz stärken soll, indem man darüber nachdenkt, andererseits jeden für sich entscheiden lässt bis wohin sich mir ein Mehrwert bietet und wo bei mir die Grenze ist.

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