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Nur noch 6 Monate Zivi?

Da es ja inzwischen so gut wie beschlossen ist, dass der Zivildienst nur noch 6 Monate gehen soll, möchte ich meine Sicht der Dinge, als aktueller Zivildienstleistender zusammenfassen.

Betrachten wir zuerst die Schüler, welche ein Abitur gemacht haben: Sie verlassen die Schule in der Regel im Juni und würden dann kurz darauf ihren Zivildienst anfangen. Sollte nur noch 6 Monate Zivildienst Pflicht sein, werden diese zwischen Winter und Frühjahr den Dienst abgeschlossen haben. Genau hier ergibt sich für diejenigen das Problem. Ausbildungen, Studiengänge, alles beginnt in der Regel erst im August/September. Unsere ehemaligen Zivis sitzen also fast ein viertel bis halbes Jahr zu Hause sinnlos rum und haben kein Einkommen. Diese werden sich daher bemühen freiwillig zu verlängern um einerseits das Geld zu bekommen, andererseits die leere Zeit zu überbrücken. An sich klingt das auch recht gut, wenn nicht das Problem wäre, sofern ein Zivi verlängert, sein „Gehalt“ nicht mehr vom Staat bezahlt wird, sondern von der Institution, bei der er arbeitet. Das können sich viele nicht leisten, ergo werden viele nicht verlängern können.

Kommen wir nun zu denen, die bereits in einem Arbeitsverhältnis stecken. Für solche ist der Zivildienst eine Unterbrechnung ihrer Arbeit, mit einschneidenden Konsequenzen. Hat man vorher noch in der Wirtschaft gut verdient, muss man sich nun mit einen Bruchteil dessen genügen, ungeachtet, dass die Ausgaben vermutlich gleich bleiben (Wohnung, Lebensstandart) Es stellt sich also die Frage, woher das Geld kommen soll, welches zum Halten des bisherigen Lebensstandart fehlt. Viele werden vorher gespart haben, andere bekommen es von Eltern o.ä. Doch wenn nichts dergleichen zutrifft, hätte man nur die Wahl sich zu verkleinern (Wohnung etc.) oder sich Geld zu leihen.
Für diejenigen ist es natürlich gut, wenn der Zivildienst nur 6 Monate geht. Immerhin ist die Zeit, die überbrückt werden muss kürzer, doch bin ich sicher, dass solche Menschen auch gerne ganz auf den Zivildienst verzichten würden.

Für diejenigen, die nach der Ausbildung keinen Job gefunden haben oder aus anderen Gründen voher arbeitslos waren, ist der Zivildienst dagegen etwas positives. Sie haben wieder einen „Job“, der besser bezahlt wird als Hartz IV. Für sie wäre es also gut, wenn sie möglichst lange Zivildienst machen könnten, weil man in der Zeit sich neu bewerben kann und nebenbei Geld bekommt.

Man sagt zwar immer, man kann es nicht allen Recht machen, doch in diesem Fall könnte man es. Die einfachste Lösung ist, man lässt sie frei entscheiden wie lange sie Dienst leisten wollen. Noch besser wäre es auch, wenn man sie entscheiden lässt, ob sie überhaupt Dienst leisten wollen, doch das ist noch unwahrscheinlicher, daher konzentriere ich mich auf das erste. Gehen wir von 3 verschiedenen Zeitspannen aus. 6 Monate, 9 Monate, 12 Monate(Verlängerung). Bei der Musterung wird jedem die Wahl gelassen, was er machen will. Je nachdem wie das spätere Leben aussieht, kann man es schnell hinter sich bringen oder sich Zeit lassen. Somit wäre jedem entgegengekommen. Der jetzige Vorschlag ist dagegen nur eine Umverteilung der Unzufriedenheit über den Zivildienst. Bis jetzt waren die vorher Berufstätigen am unzufriedensten, nun werden es die Schüler sein.

Jan Ziegenbalg

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