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Archive for Dezember 2010

Wikileaks und das drumherum…

Was die letzten Tage im Zusammenhang mit Wikileaks passiert ist, ist schon echt unheimlich spannend. Der Grund für alles, was jetzt passiert, ist die Veröffentlichung der Diplomatendepeschen, welche nichts anderes zum Vorschein bringen, als die Verlogenheit der Staaten, von denen sie kommen. Klar, dass eben diese versuchen, so eine Veröffentlichung zu verhindern (Wer hier sagt, das doch gar keine Staaten versuchen die Veröffentlichung zu verhindern, das seien doch Privatfirmen, lest weiter, Begründung kommt gleich). Aber nur aus dem Grund, dass es ihnen peinlich ist, dass dies jetzt herausgefunden wurde, wie verlogen sie eigentlich sind. Die meisten haben es eh schon gewusst oder geahnt und fühlen sich jetzt darin bestätigt. Aber so ist das nun mal, wenn man erzählt, was der Wähler hören will und hintenrum doch das Gegenteil macht – was dann wieder ein anderes Thema wäre.

Ein Wort was sich mir sehr eingeprägt hat ist „Infowar“ aus diesen Blogpost in der Zeit, und ehrlich gesagt, ein wenig muss ich dem Ganzen zustimmen. Zuerst war da die Kündigung des Geschäftsverhältnis durch Amazon an Wikileaks, danach kam die Entfernung des Domaineintrags durch EveryDNS und auch noch der Boykott von Firmen wie Paypal, Visa und Mastercard. Ich denke die meisten dachten sich schon, dass das „Netz“ sich eine Antwort dazu überlegen wird. Wir haben in den letzten Monaten diverse Shitstorms miterlebt, doch welche Ausmaße das Ganze annehmen würde, haben sicher nur die Wenigsten erwartet. Für mich war es sehr krass zu sehen, wie schnell Mirrors und DNS-Weiterleitungen aus dem Boden geschossen sind, sodass die Infrastruktur, die Wikileaks im Netz hält, jetzt durch die Unterstützung der Community stärker erscheint als zuvor. Es zeigt auch, wie armseelig der Versuch ist, eine Website oder eine Publikation aus dem Internet zu entfernen, an der ein öffentliches Interesse besteht. Nachdem der Versuch gescheitert war, Wikileaks aus dem Netz zu entfernen (ich  kann echt nur darüber lachen, wie man glauben konnte, das würde funktionieren) wurde offenbar versucht, die Finanzströme zu stören, was am Boykott der Finanzdienstleister gegenüber Wikileaks ersichtlich ist.

Ich glaube, ich sollte hier kurz etwas anmerken: Klar, wer sich damit beschäftigt hat, wird sagen, dass die Firmen von sich aus ihr Geschäftsverhältnis eingestellt haben. Doch da möchte ich sinngemäß den Spiegel zitieren. Was glaubt ihr, wovor die Firmen mehr Angst haben? Vor der Regierung des Landes, in dem sie sitzen, oder vor dem Netz? Von daher finde ich den Vorwurf des „vorrauseilenden Gehorsams im Sinne des Staates“ durchaus passend, weil es nicht das erste Mal wäre, dass so etwas stattfindet.

Was ich heute gelesen habe, erfreute mich doch zutiefst. Eben die obengenannten Firmen wurden von einen mehr oder weniger freiwilligen Botnetz aus dem Dunst von 4Chan und Anonymus attackiert. Die Kreditkartenfirmen, als auch Paypal gingen schon down und Amazon soll wohl der nächste sein. Das finde ich sehr lustig, wurde Wikileaks doch eben mit derselben Methode attackiert, wenige Tage nach Veröffentlichung der Depeschen.  Die einen finden, es sei der falsche Weg, die anderen dagegen sind der Meinung, es sei ok. Ich persönlich befürworte es, weil ich es als gewaltfreie Protestmöglichkeit sehe und diese gleichzeitig den Spinnern klarmacht, dass sich die Menschen die demokratische Freiheit des Internets nicht mehr nehmen lassen.

Das war ja jetzt erstmal nur das Zeug um Wikileaks herum, aber widmen wir uns nun den „Verlogenheiten“ welche durch die Depeschen ans Licht kamen. Das reicht von Einflussnahme von Visa und Masercard auf russische Finanzgesetze, was den Boykott ja noch schmackhafter macht, bis zu der Nichtverfolgung von Entführungen TerrorVERDÄCHTIGER durch die CIA in Deutschland. Jaja, schon toll so ein Rechtsstaat, nicht wahr?

Und zu der Causa Assange soviel: Es ist schade, das Wikileaks gerade durch diese Anschuldigungen so viel Aufmerksamkeit bekommt. Klar, vielleicht ist da politischer Druck dahinter und das Ganze eigentlich unbegründet, aber hey, politischer Druck steckt überall dahinter – haben wir ja gesehen – und sicherlich wird irgendwas vorgefallen sein, doch ob die Maßnahmen gegen ihn gerechtfertigt sind, wird in solch einer Situation sicher untergeordnete Rolle spielen. Anscheind bedarf es eben des Angriffs auf diese Persöhnlichkeit, dass das Netz mobil macht, was in meinen Augen einfach nur schade ist. Aber hey, Deutschland hat wegen eines Bahnhofs mobil gemacht. Es sind wohl eher unwichtigen Dinge, die das Fass zum Überlaufen bringen. Zu der Causa Assange hab ich noch ein paar differenzierte Meinungen für euch. Die Erste ist aus dem Stern, die Zweite aus dem FAZ-Feuilleton und die letzte von der Zeit. Es lohnt sich wirklich alle 3 zu lesen, weil durchaus andere Gesichtspunkte und Perspektiven auftreten. Aber den meisten wird jetzt sicher klar, das die nächsten Wochen durch aus spannend werden!

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Die letzten Wochen…

Ich sitze seit langem mal wieder vor dem Webinterface meines Blogs und habe beschlossen zu versuchen, all das, was mir die letzten Wochen durch den Kopf gegangen ist, in Worte zu fassen. Es ist gerade 3:25, heute habe ich um 8 Uhr Vorlesung und Kaffee ist frisch gebrüht. Ja die Nacht werde ich wohl nicht mehr zum schlafen kommen.

Doch was hat mich darauf gebracht hier einfach vor mich hin zu schreiben und am Ende zu gucken, was dabei rausgekommen ist? Ich wollte gerade ins Bett gehen, da kam mir dieser Link entgegen. Es handelt sich um den Versuch der Begriffserklärung „Neoliberal“. Ich dachte den les ich noch schnell, danach wird geschlafen. Doch beim Lesen wurde mir eindrucksvoll bewusst, dass all das, was dort drinnen beschrieben ist, genau das ist, was ich schon wusste, jedoch noch nie so auf den Punkt bringen konnte. Der Text hat mir in dem Sinne nichts Neues gezeigt, jedoch viel im Kopf geordnet und gleichzeitig Sachen an die Oberfläche geholt, die mich beschäftigt haben, über die ich bloggen wollte, es dann aber nicht getan habe.

Er hat mir auch gezeigt, das dieses Gefühl mit dem ich durch die Welt gehe, dass „nichts so ist wie es scheint“, zumindest was Politik angeht, keine Überinterpretation meines Gehirns ist, sondern, dass auch andere die selbe logische Argumentation auf die Interpretation anwenden. Dieses Gefühl, du selbst interpretierst Dinge, die andere nicht so sehen, enstand bei mir erst durch die intensive Nutzung von Twitter. Man sucht sich ja seine Follower nach Interessen aus. Von daher ist meine Timeline voll mit Menschen, die Geschehnisse in der Gesellschaft so interpretieren wie ich. Das erzeugt ersteinmal einen Glauben, ganz viele denken so wie du, welches von der Erkenntnis zerstört wird „Hey du kennst in deinem Bekanntenkreis vielleicht ne Handvoll, wenns hoch kommt, die auch so denkt, der Rest versteht dich gar nicht.“ Dieses Gefühl kann ziemlich unangenehm werden, vor allem, wenn man neue Menschen trifft. Jedoch ist es eine Frage der Charakterstärke und eigenen Überzeugung, ob man dennoch dieses Verhalten beibehält. Da ich ja vor 2 Monaten angefangen habe zu studieren, hat mich dies unmittelbar tangiert.

In der anfangs erwähnten PDF-Datei gab es eine Vielzahl von hochinteressanten Links, darunter auch einen zum Wikipediaartikel Technokratie und Plutokratie. Wärend Plutokratie für mich einleuchtend und logisch einzuordnen war, stieß ich bei Technokratie auf Unstimmigkeiten, besonders bezüglich des Absatzes: 

Im Vordergrund steht die rationale, effektive Planung und Durchführung zielorientierter Vorhaben. Während sich die Aufmerksamkeit ganz auf Mittel und Wege konzentriert, verringert sich die Bedeutung demokratischer Willensbildung und politischer Entscheidungsprozesse hinsichtlich der Wahl gesellschaftlicher Ziele

Ich bin ja ein sehr nüchterner rationaler Mensch. Von daher ist der erste Satz auch durchaus etwas, was ich so befürworte. Beim zweiten Satz sieht es dagegen anders aus. Die strikte Ausrichtung auf rationale Schlüsse und Effizienz, mag zwar bei der Durchführung einer technischen Aufgabe sehr gut funktionieren, jedoch ist sie gänzlich ungeeignet, sobald die „Komponente“ Mensch in die Aufgabe hineinfließt. Das macht die Technokratie für den reinen Arbeitsablauf zwar sehr attraktiv, jedoch macht es sie als System politischer und gesellschaftlicher Entscheidungen unwählbar. Den Menschen kann man nicht mittels Effizienz oder Planung beschreiben und einkalkulieren. Jeder Versuch sorgt für eine automatische Entmenschlichung, weil er in dieser Situation nur noch ein Haufen Zahlen und Werte ist. Rationalität bezüglich des Menschen ergibt das, was wir heutzutage im Begriff „Humankapital“ sehen, welchen ich zu tiefst verabscheue. Der Mensch ist in diesem System kein Mensch mehr, sondern ein Wert, eine Ware, was der Kapitalismus übrigens genauso sieht und was ihn damit automatisch unmenschlich macht. Doch auch wenn dieses System eigentlich gesellschaftlich falsch ist, glaube ich, dass die „Herrschaft der Sachverständigen“ wie es bei Wikipedia genannt wird, nötig sein wird, um eine Gesellschaft in Zukunft organisieren zu können. Der einzige Unterschied, der erfolgen muss, ist, dass die „Sachverständigen“ neben ihrer Verpflichtung der Rationalität gegenüber, nicht ihre Verpflichtung als Mensch gegenüber anderen Menschen vergessen.

Ein weiterer Punkt, der mich viel beschäftigt, ist Wikileaks. Jeder hat es die letzten Tage sicherlich mitbekommen. Es wurden ~250.000 Diplomatendepeschen geleakt. Wikileaks hat mich wieder zu der Frage nach der Transparenz der Gesellschaft geführt. Dabei habe ich gemerkt, dass ich inzwischen zur Postprivacy neige. Dabei geht es grob darum, wenn jeder alles über jeden wüsste, es uns egal sein würde und die Konsequenzen von heute nicht mehr existieren würden. Oder anders gesagt, wie verzichten auf unsere Privatsphäre. Und ich merke wie ich das wirklich mache. Ich führe Chatgespräche auf der Pinnwand von Facebook, mache wir aber gleichzeitig Sorgen, das der Chat von Facebook bei Pidgin eingebunden unverschlüsselt gesendet wird. Ich habe mir in diesem Thema noch kein abschließendes Urteil gebildet, jedoch weiß ich für mich soweit, das es nur um ein entscheidenden Punkt geht, ab wann eine verletzte Privatsphäre für mich zum Problem wird. Alles was ich freiwillig mache, mache ich aus vollen Bewusstsein und der mögliche Missbrauch meiner veröffentlichten Daten ist mir bewusst, doch wiegt für mich der Vorteil daraus größer, als die mögliche Gefahr. Alles was gegen diese Freiwilligkeit geschieht, ist etwas womit ich nicht einverstanden bin, weil mir jemand die Entscheidung für einen möglichen Weg entreißt. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich die Daten vielleicht sowieso freiwillig gegeben hätte. Wir sind alle per Gesetz mündige Bürger und haben die Möglichkeit unsere Handlungen frei zu wählen. Jeder Entriss dieser Entscheidungsmöglichkeit, sei es von staatlicher oder unternehmerischer Seite ist eine Entmündigung und somit eine Absprache des Rechts, selbst bestimmen zu können. Es wird dir außerdem der Grund genommen, dir über die Entscheidung Gedanken zu machen und zu einem eigenständigen Urteil zu kommen.

Wen das Thema interessiert, dem empfehle ich auf Twitter @mspro und @plomlompom und den Blog von mspro. Außerdem den Chaosradio Express zum Thema Privatsphäre mit den beiden.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass es noch so viel gab, was ich eigentlich noch in diesen Blogpost schreiben wollte und unter diesem Gesichtspunkt ist der Titel auch irgendwie falsch, aber was solls. Ma sehn ob ich es ab jetzt schaffe einfach jeden Gedanken festzuhalten wenn er kommt und irgendwie zu verarbeiten.