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Die letzten Wochen…

Ich sitze seit langem mal wieder vor dem Webinterface meines Blogs und habe beschlossen zu versuchen, all das, was mir die letzten Wochen durch den Kopf gegangen ist, in Worte zu fassen. Es ist gerade 3:25, heute habe ich um 8 Uhr Vorlesung und Kaffee ist frisch gebrüht. Ja die Nacht werde ich wohl nicht mehr zum schlafen kommen.

Doch was hat mich darauf gebracht hier einfach vor mich hin zu schreiben und am Ende zu gucken, was dabei rausgekommen ist? Ich wollte gerade ins Bett gehen, da kam mir dieser Link entgegen. Es handelt sich um den Versuch der Begriffserklärung „Neoliberal“. Ich dachte den les ich noch schnell, danach wird geschlafen. Doch beim Lesen wurde mir eindrucksvoll bewusst, dass all das, was dort drinnen beschrieben ist, genau das ist, was ich schon wusste, jedoch noch nie so auf den Punkt bringen konnte. Der Text hat mir in dem Sinne nichts Neues gezeigt, jedoch viel im Kopf geordnet und gleichzeitig Sachen an die Oberfläche geholt, die mich beschäftigt haben, über die ich bloggen wollte, es dann aber nicht getan habe.

Er hat mir auch gezeigt, das dieses Gefühl mit dem ich durch die Welt gehe, dass „nichts so ist wie es scheint“, zumindest was Politik angeht, keine Überinterpretation meines Gehirns ist, sondern, dass auch andere die selbe logische Argumentation auf die Interpretation anwenden. Dieses Gefühl, du selbst interpretierst Dinge, die andere nicht so sehen, enstand bei mir erst durch die intensive Nutzung von Twitter. Man sucht sich ja seine Follower nach Interessen aus. Von daher ist meine Timeline voll mit Menschen, die Geschehnisse in der Gesellschaft so interpretieren wie ich. Das erzeugt ersteinmal einen Glauben, ganz viele denken so wie du, welches von der Erkenntnis zerstört wird „Hey du kennst in deinem Bekanntenkreis vielleicht ne Handvoll, wenns hoch kommt, die auch so denkt, der Rest versteht dich gar nicht.“ Dieses Gefühl kann ziemlich unangenehm werden, vor allem, wenn man neue Menschen trifft. Jedoch ist es eine Frage der Charakterstärke und eigenen Überzeugung, ob man dennoch dieses Verhalten beibehält. Da ich ja vor 2 Monaten angefangen habe zu studieren, hat mich dies unmittelbar tangiert.

In der anfangs erwähnten PDF-Datei gab es eine Vielzahl von hochinteressanten Links, darunter auch einen zum Wikipediaartikel Technokratie und Plutokratie. Wärend Plutokratie für mich einleuchtend und logisch einzuordnen war, stieß ich bei Technokratie auf Unstimmigkeiten, besonders bezüglich des Absatzes: 

Im Vordergrund steht die rationale, effektive Planung und Durchführung zielorientierter Vorhaben. Während sich die Aufmerksamkeit ganz auf Mittel und Wege konzentriert, verringert sich die Bedeutung demokratischer Willensbildung und politischer Entscheidungsprozesse hinsichtlich der Wahl gesellschaftlicher Ziele

Ich bin ja ein sehr nüchterner rationaler Mensch. Von daher ist der erste Satz auch durchaus etwas, was ich so befürworte. Beim zweiten Satz sieht es dagegen anders aus. Die strikte Ausrichtung auf rationale Schlüsse und Effizienz, mag zwar bei der Durchführung einer technischen Aufgabe sehr gut funktionieren, jedoch ist sie gänzlich ungeeignet, sobald die „Komponente“ Mensch in die Aufgabe hineinfließt. Das macht die Technokratie für den reinen Arbeitsablauf zwar sehr attraktiv, jedoch macht es sie als System politischer und gesellschaftlicher Entscheidungen unwählbar. Den Menschen kann man nicht mittels Effizienz oder Planung beschreiben und einkalkulieren. Jeder Versuch sorgt für eine automatische Entmenschlichung, weil er in dieser Situation nur noch ein Haufen Zahlen und Werte ist. Rationalität bezüglich des Menschen ergibt das, was wir heutzutage im Begriff „Humankapital“ sehen, welchen ich zu tiefst verabscheue. Der Mensch ist in diesem System kein Mensch mehr, sondern ein Wert, eine Ware, was der Kapitalismus übrigens genauso sieht und was ihn damit automatisch unmenschlich macht. Doch auch wenn dieses System eigentlich gesellschaftlich falsch ist, glaube ich, dass die „Herrschaft der Sachverständigen“ wie es bei Wikipedia genannt wird, nötig sein wird, um eine Gesellschaft in Zukunft organisieren zu können. Der einzige Unterschied, der erfolgen muss, ist, dass die „Sachverständigen“ neben ihrer Verpflichtung der Rationalität gegenüber, nicht ihre Verpflichtung als Mensch gegenüber anderen Menschen vergessen.

Ein weiterer Punkt, der mich viel beschäftigt, ist Wikileaks. Jeder hat es die letzten Tage sicherlich mitbekommen. Es wurden ~250.000 Diplomatendepeschen geleakt. Wikileaks hat mich wieder zu der Frage nach der Transparenz der Gesellschaft geführt. Dabei habe ich gemerkt, dass ich inzwischen zur Postprivacy neige. Dabei geht es grob darum, wenn jeder alles über jeden wüsste, es uns egal sein würde und die Konsequenzen von heute nicht mehr existieren würden. Oder anders gesagt, wie verzichten auf unsere Privatsphäre. Und ich merke wie ich das wirklich mache. Ich führe Chatgespräche auf der Pinnwand von Facebook, mache wir aber gleichzeitig Sorgen, das der Chat von Facebook bei Pidgin eingebunden unverschlüsselt gesendet wird. Ich habe mir in diesem Thema noch kein abschließendes Urteil gebildet, jedoch weiß ich für mich soweit, das es nur um ein entscheidenden Punkt geht, ab wann eine verletzte Privatsphäre für mich zum Problem wird. Alles was ich freiwillig mache, mache ich aus vollen Bewusstsein und der mögliche Missbrauch meiner veröffentlichten Daten ist mir bewusst, doch wiegt für mich der Vorteil daraus größer, als die mögliche Gefahr. Alles was gegen diese Freiwilligkeit geschieht, ist etwas womit ich nicht einverstanden bin, weil mir jemand die Entscheidung für einen möglichen Weg entreißt. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich die Daten vielleicht sowieso freiwillig gegeben hätte. Wir sind alle per Gesetz mündige Bürger und haben die Möglichkeit unsere Handlungen frei zu wählen. Jeder Entriss dieser Entscheidungsmöglichkeit, sei es von staatlicher oder unternehmerischer Seite ist eine Entmündigung und somit eine Absprache des Rechts, selbst bestimmen zu können. Es wird dir außerdem der Grund genommen, dir über die Entscheidung Gedanken zu machen und zu einem eigenständigen Urteil zu kommen.

Wen das Thema interessiert, dem empfehle ich auf Twitter @mspro und @plomlompom und den Blog von mspro. Außerdem den Chaosradio Express zum Thema Privatsphäre mit den beiden.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass es noch so viel gab, was ich eigentlich noch in diesen Blogpost schreiben wollte und unter diesem Gesichtspunkt ist der Titel auch irgendwie falsch, aber was solls. Ma sehn ob ich es ab jetzt schaffe einfach jeden Gedanken festzuhalten wenn er kommt und irgendwie zu verarbeiten.

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