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Medienkompetenz und Datenschutz

Auslöser dieses Artikels ist folgender Blogpost. Es geht um Datenschutz und deren Nahebringung in der Schule. Er definiert auch dem Begriff der Datenschutzethik, welche die Grundlage für den bedachten Umgang mit Daten sein soll. Der Begriff Datenschutzethik hat mich auf einen Gedanken gebracht.

Man nehme die reale Welt. Durch unsere Erziehung wird uns ein Wertekatalog vermittelt, der ein gepflegtes soziales Miteinander ermöglicht. Dabei lernen wir, dass das Eigentum anderer zu achten ist. Das andere Personen zu respektieren sind und man sie so behandeln soll, wie man auch behandelt werden will etc. Diese Werte werden im Normalfall, sollte man sie in seiner Entwicklung gelernt haben, automatisch bei der Benutzung des Webs übernommen, weil man weiß, die Entität mit der ich gerade kommuniziere ist ein Mensch, gegenüber dem ich gewisse Normen einhalte. So lässt sich auch gut erklären warum die Netiquette entstand. Sie entspricht nichts anderem, als die Übernahme der Regeln des sozialen Miteinanders in das Web. Sicherlich mag der ein oder andere hier einwerfen, das „Eigentum anderer achten“ und „Filesharing“ ein Widerspruch ist. Auf den werde ich im nachfolgenden noch eingehen. Doch zuerst auf die Auswirkung der Werte auf den Datenschutz.

Wenn ich in der realen Wert jemanden etwas erzähle, was mir eine andere Person anvertraut hat, dann gebe ich in gewisser Weise Daten, die ich hätte schützen sollen, preis. Erfährt die betroffene Person davon, werde ich dafür Konsequenzen tragen müssen, wie z.B das die Person mir nicht mehr vertraut oder gar nichts mehr mit mir zu tun haben will. Wie auch immer, es wird auf alle Fälle eine Wirkung auf mich haben, die in Verbindung damit, dass man eigentlich keinen anderen Menschen verletzen oder schaden will, mir ein negatives Gefühl bereiten wird. Daraus werde ich lernen, das so etwas scheiße ist und mich bemühen es nichtmehr zu machen. Doch damit dieser Lernprozess eintritt muss ich den Fehler erst begehen. Denn wir alle wissen. Man muss selbst Fehler machen um daraus zu lernen. Genau dieses oben beschriebene Beispiel lässt sich auf das Web übertragen. Wenn ich darin Informationen über jemand anderen preisgebe kann es dieser Person schaden, und damit indirekt auch mir, was die Beziehung zu dieser Person angeht. Und so wie in der Realität die einmal verplapperten Geheimnisse von der betroffenen Person nicht ausgelöscht werden können ist es auch im Web so. Hier greift der Prozess des Vergessens und Vergebens der andere Akteure im Web.

Die Grundsätze für den achtsamen Umgang im Web, was Daten angeht, haben wir also aus der realen Welt. Haben wir dort solch ein Verhalten nicht gelernt ist es nicht verwunderlich das es im Web auch nicht angewendet wird. Doch ohne die Tatsache das dieses Handeln mitunter große Konsequenzen für mich hat, werde ich nicht aus diesem Fehler lernen. Und dafür muss er ersteinmal stattfinden. Das man für solche Fehler nicht den Rest seines Lebens leiden muss, ist aufgabe der Gesellschaft. Denn wir alle machen Fehler, das ist normal und wir alle wachsen an unseren Fehlern.

Soviel zu dem achtsamen Umgang mit den Daten anderer. Wie wir sehen, brauchen wir dafür keine neuen Regeln. Es muss nur vermittelt werden, dass die Regeln der sozialen Miteinanders auch im Social Web gelten. Und wie auch in der Realität wird es Leute geben die einen Scheiß darauf geben. So wie auf dem Schulhof  Schüler gemobbt oder verprügelt werden, wird es auch vergleichbares im Social Web geben. Das ist in erste Linie kein digitales Problem, sondern ein gesellschaftliches.

Wie der Umgang mit meinen eigenen Daten stattfindet ist bestimmt durch die Entscheidung die ich für mich treffe, wie ich mich im Web bewegen will. Mal will ich unerkannt sein, mal will ich erkannt werden. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Doch entgegen vieler Datenschützer ist das erkannt werden im Netz nicht per se schlecht. Ich habe bis jetzt nur gute Erfahrung damit gemacht, doch wie gesagt, muss das jeder selbst entscheiden. Und diese Entscheidung wird nicht ohne Erfahrung stattfinden und damit nicht ohne Fehler die man macht. Wir stellen fest, um den richtigen Weg zu finden muss man ausprobieren welcher der richtige für einen ist. Meiner Erfahrung nach wissen alle Internetnutzer das es bestimmte Sachen gibt, die man nicht im Netz veröffentlicht, egal wie offen man sonst ist. Das gilt auch für mich. Damit man den oben beschriebenen Weg für sich finden kann, muss einem erst einmal die Angst genommen werden, das digitale Auffindbarkeit pauschal schlecht ist. Es müssen Werkzeuge und Techniken vermittelt werden, wie man sich heran tasten kann, mit möglichst wenig negativen Erfahrungen den richtigen Weg zu finden.

Nun zu dem oben beschriebenen Widerspruch von „Eigentum anderer achten“ und „Filesharing“. Da ja ein Download eines Musikstücks als Diebstahl bezeichnet wird, wird davon ausgegangen das diese Datei „Eigentum“ einer Person ist. Doch Daten sind kein Eigentum von irgendjemanden. Sie beziehen sich maximal auf eine Person. So auch die Urheberrechte. Ich erkenne den Urheber nicht als Eigentümer an. Er hatte die Grundidee. Doch damit ist er nicht Eigentümer aller weiterer Kopien. Daher ist Filesharing nicht die Missachtung des Eigentums anderer, sondern maximal die Missachtung des Vergütungsmodells welches der Urheber für diese Idee im Sinn hatte.  Da Daten kein Eigentum sein können, ist auch die Löschung von unliebsamen Inhalten falsch. Doch das ist eine andere Baustelle die ich nicht aufmachen möchte. Das sollte nur eine Erklärung sein, warum dieser Widerspruch für mich nicht besteht.

Die beiden angesprochenen Punkte, Respekt von den Daten anderer und Entscheidungsfindung bei der Frage „Wie bewege ich mich durchs Netz“ sind meiner Meinung nach Teilbereiche wenn wir über Medienkompetenz sprechen. Auch andere für uns selbstverständliche Norman und Werte für das Miteinander lassen sich so übertragen. Und wie bereits dargelegt geht es mir dabei mehr um die Vermittlung von Werkzeugen als von Konkreten Richtlinien.

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