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Archive for Juni 2011

Von Turboabi und Karrieregeilheit

Folgender Artikel hat mich tief bewegt und viele Gedanken angestoßen das ich nicht umhin kam, dazu einen längeren Text zu verfassen.

Es geht darum, ob das Turboabitur den Schülern nicht zuviel abverlangt und ihnen die Unbeschwertheit der Kindheit raubt. Grundsätzlich gebe ich dem Autor in allem Recht. Er hat auf so viele Weise gesagt, warum es wichtig ist Kinder nicht von klein auf mit Stress zu drangsalieren. Das es für sie wichtig ist, dass sie ihr eigenes Tempo finden, ihren eigenen Weg und so ihr eigenes Ziel.

Das Turboabi impliziert, dass alle ganz schnell fertig werden wollen und ganz schnell Karriere machen wollen, weil alle ganz schnell ganz viel Geld verdienen wollen….

Was für eine gequirlte Scheiße

Wenn man mit 17 das Abitur hat, was war das für eine Schulzeit. Abiball ohne Alkohol?! Wer wusste denn schon mit 17 was er später machen will? Ist es nicht unfair das von den jetzigen Kindern zu verlangen, wenn wir es selbst nicht mal wussten? Ich habe mit 20 erst herausgefunden was ich wirklich machen will. Davor habe ich einen Fehler gemacht und erst das Falsche angefangen und mich umorientiert. Zu der Zeit hätten die Schüler nach dem Turboabitur bereits ihren Bachelor. Was wenn sie jetzt feststellen, das wollen sie gar nicht? 3 Jahre umsonst? Den Kindern wird damit ihre Kindheit geraubt. Das unbeschwehrte sich um nichts Gedanken machende in den Tag hineinleben, wonach wir uns jetzt später so oft zurücksehnen. Daher ist es wichtig das ihr den Kindern diese Zeit lässt. Wie im Artikel gesagt, ist es schlimm genug das sich Erwachsene schon Stress machen. Wenn man Kinder dazu zwingt ist das einfach unverantwortlich. Zukunftsangst ist das allerschlimmste, wenn es um das Lernen geht. Unbeschwert nach eigenem Tempo lernt es sich so viel besser, als mit der Pistole auf dem Rücken.

Ich habe vor einger Zeit in einem Podcast gehört, dass damals, vor 10-20 Jahren die Leute nach dem Abi sich ersteinmal die Welt angeguckt haben. Sie haben irgendwas gemacht, um das Leben kennenzulernen und sich selbst auch. Mit 25 Jahren anfangen zu studieren war völlig normal. Was ist daraus geworden? Schon zu meiner Zeit wollte man direkt nach dem Abi studieren oder was anderes machen. Bloss keine Zeit verschwenden. Warum? Wovor hatten wir Angst? Vor der Aussage „Wenn du zu alt bist, hast du keine Chance auf dem Arbeitsmarkt“? Was ist das für ein Leben, in dem alles von Schulbeginn an auf den einen Job ausgerichtet ist? Nicht das Leben was ich haben will. Ich bereue es, dass ich bis jetzt noch kein Jahr im Ausland war und werde es auf jeden Fall noch nachholen, während des Studiums. Ich bereue NICHT das ich Zivildienst gemacht habe und so ein Jahr später angefangen hab zu studieren. Ich habe dieses quasi freie Jahr wirklich genossen. Ich hatte mich anfang des Zivildienstes für ein Duales Studium beworben, doch gegen Ende war ich von meiner Wahl bereits nicht mehr überzeugt. Aus Begeisterung für das Neue habe ich nicht gemerkt das es nicht das war, was ich machen wollte und so änderte ich dann nochmal mein gesamten Weg.

Wäre ich vielleicht ins Ausland gegangen und hätte ein Jahr länger Pause gemacht, wäre ich vor meiner Bewerbung für mich zu dem Schluss gekommen, was im Leben wichtig ist. Und das kam bei mir mit 20 und lautete, Geld ist nicht mein primäres Ziel.

Wie naiv ist es von einem 17 jährigen Jugendlich zu erwarten, dass er für sich diese Frage beantworten kann? Bevor man die Schwelle vom Jugendlichen zum Erwachsenen überschritten hat? Das schaffen nur wenige. Doch sollten Sie das Vorbild sein? Ist es nicht unfair ihnen die Unbeschwehrtheit ihrer Kindheit und Jugendlichkeit immer früher wegzunehmen? In meinen Augen schon! Man kann vielleicht den Ausbildungsprozess beschleunigen, aber man sollte nicht den natürlichen Entwicklungsprozess einer Person beschleunigen. Jede Person brauch unterschiedlich lang und jede Person sollte dafür die Zeit bekommen, die sie braucht, nicht anders!

Auch ist es wichtig das man Kindern und Jugendlichen die Zukunftsangst nimmt. Ich kenne es von mir selbst. Ende der 11 Klasse ging es bei mir los, dass ich Angst bekam, nach dem Abi nichts zu finden. Davor brauch man keine Angst haben. Erstmal muss man sich selbst im Klaren sein was man vom Leben will und was man später machen will. Das ist keine Frage die man mal in 5 Minuten auf dem Klo löst. Dafür brauch man einerseits Zeit, andererseits Erfahrung. Und Turboausbildung hin oder her, Erfahrung kann man nicht beschleunigen.

Ich könnte ewig weiterschreiben, denn es gibt noch viele Gründe und Dinge die mir noch einfallen, doch irgendwann muss mal Schluss sein.

Geht eure Kindheit/Schulzeit durch und überlegt wie sie war. Dann überlegt ob ihr wollt, dass eure Kinder den Stress, den ihr jetzt als Erwachsener habt, bekommen. Und währenddessen. Lasst eure Kinder Kinder sein! Lasst sie unbeschwehrt sein! Lasst sie Fehler machen und Zeit verplempern, denn ihr habt es genauso gemacht!