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Archive for Dezember 2011

Digital Divide – Gefahr für die Gesellschaft?

Ich lese gerade das Buch von Christian Heller aka @plomlompom und dabei ist mir ein Gedanke gekommen, der nichtmal direkt mit dem Inhalt der Zeilen zu tun hatte. Es geht um die digitale Spaltung, kurz „Digital Divide“.

(ich meine hier speziell die Möglichkeit des Gedankenaustauschs mit vielen unterschiedlichen Menschen und den damit verbundenen Auswirkungen, Facebook fällt dabei meiner Ansicht nicht darunter, zumindest zu 99%

Auch bin ich mir nicht sicher, inwieweit das hier alles schon total alt und bekannt ist. Ich habe bis jetzt über die Auswirkungen der Spaltung auf die Entwicklung einer Gesellschaft noch nicht viel irgendwo gelesen.)

Plomlompom beschreibt in dem Buch, wie Interaktion mit der Umwelt unser Selbst formt, durch das Internet noch in einem erheblich beschleunigterem Maße als analog. Das unser Selbst nur die Summe unserer Erfahrungen und den Erfahrungen derer, mit denen wir auf irgendeine Weise interagieren ist, dürfte jedem klar sein, wenn er überlegt wie Kindeserziehung funktioniert. Wo vor der rasanten Digitalisierung die Interaktion noch bedeutend eingeschränkter möglich war, nahm der Diskurs seit der Popularität des Internets in fast allen Bereichen extrem zu. In diesem Diskurs bilden sich m.E. nach auch gesellschaftliche Werte, Normen und Denkprozesse heraus. Das wird deutlich wenn man die Privatspährendiskussion in Zeiten des Internet mit jemanden führen möchte, der über den Diskurs im Netz nicht im Bilde ist. Es fehlen Termini oder allgemeine Grundlagen, sodass beide sich untereinander nur sehr schwer, bis gar nicht verstehen. Eine Gesellschaft entwickelt sich durch Diskurs, durch Austausch von Meinungen, durch gemeinsame Bewertung und Analyse von Vorgängen. Daraus leiten sich Regeln für das Zusammenleben ab. Durch die Digitale Spaltung haben wir aber auch eine Gesellschaftsspaltung. Wärend die eine sich in gewohntem Tempo entwickelt, sorgt das Internet hier für eine beschleunigende Wirkung. Da es in kürzerer Zeit viel mehr Meinungsaustausch gibt, entwickelt sich diese Internetblase, oder Gesellschaftsblase schneller als ihr analoges Gegenstück. Das sieht man auch an der Onlinebewegung rund um das Thema Netzpolitik. Vergleicht man den Diskursfortschritt zwischen Offline und Online, so stellt man doch beträchtliche Unterschiede fest. So langsam schwappt alles in die analoge Welt. Diese Diskrepanz findet m.E. nur in so starkem Maße statt, weil die gesamte Gesellschaft, die das Thema ja betrifft, noch nicht im Netz angekommen ist. (wie gesagt, Facebook zählt hier nicht)

Meine Befürchtung ist, je länger die Gesamtheit der Gesellschaft nicht gleichermaßen an den Möglichkeiten des Netzes beteiligt ist, desto schneller wird der gesellschaftliche Graben immer größer. Möglicherweise soweit, das, sollten endlich alle im Netz ankommen, dennoch riesige, schwer zu überwindende Gräben existieren, da sich beide Teile unterschiedliche schnell entwickelt haben.

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