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Mein Beitrag zur Spackeria: Facebook, Google und die Macht

Das folgende spiegelt nur meine eigene Meinung wieder. Ich stütze mich auf keinerlei Studien, sodern lediglich auf meine Erfahrungen und Einschätzungen bezüglich der Sache in den letzten Wochen/Monaten. Auch bin ich kein Mitwirker an dem Projekt Spackeria.

Auslöser dieses Blogpost war der Netzpolitikpodcast 109 „Die Datenfresser“. Dabei ging es um das Buch „Die Datenfresser“ von Constanze Kurz und Frank Rieger vom CCC. Wie der Titel schon sagt, ging es auch in dem Podcast hauptsächlich um die Gefahren von „Datenfressern“ wie Facebook und Google, aber auch dem Staat. Was mich störte war die Aussage, dass der Spackeria vorgeworfen wurde, die Machtfrage nicht zu stellen. Genauer: Wie gehen wir mit Konzernen um, die eine enorme Macht angesammelt haben. Daher will ich mir genau diese Machtfrage genauer angucken.

Facebook und die Macht

Die Macht, welche Facebook hat, resultiert aus der schieren Masse an Nutzern und den dadurch entstehenden Daten. Facebook weiß teilweise sicher mehr über einen Nutzer als dieser selbst, aufgrund der Verknüpfung seiner Daten mit anderen Daten. Diese Machtkonzentration ist ja erstmal nichts schlechtes. Der Machtmissbrauch ist das, was die Gefahr erzeugt. Doch die Frage wie man mit dieser Macht umgeht oder man diese begrenzt geht meiner Meinung nach zu kurz. Die Frage ist doch eher, warum hat Facebook überhaupt diese Macht? Ein Machtmissbrauch stellt sich für mich so dar, wenn mit den Daten Dinge gemacht werden, die mir schaden könnten. Wenn ich bewusst meine Daten in Facebook veröffentliche, bin ich mir im Klaren, dass damit auch Dinge geschehen können, die ich nicht vorhersehen kann. Dieses „unbekannte Unbekannte“ hat mspro in einem Artikel gut beschrieben. Doch ich bin mir der Existenz dessen bewusst. Über die aktuell möglichen Gefahren des Datenmissbrauchs bin ich mir auch bewusst, wobei ich zunächst den Missbrauch von staatlichen Stellen ausklammern möchte. Das meine Daten genutzt werden können um personalisierte Werbung zu generieren ist mir insofern egal, dass ich was Werbung angeht sehr aufmerksam bin. So kann es mir meiner Meinung nach nicht passieren, dass mich Werbung zum Kauf von etwas beeinflusst was ich nicht brauche. Sollte sie mir dagegen etwas empfehlen was mir sehr gefällt, wo ist daran das Schlechte? Die kommerzielle Verwendung meiner Daten stellt also keine Gefahr dar. Also existiert der kommerzielle Machtmissbrauch für mich nicht. Dagegen ist der postive Nutzen dieser Plattform für mich ein größerer Mehrwert, den ich außerdem permanent habe, als eine mögliche kommerzielle Verwendung von Daten, die ich eh veröffentlich habe.

Da meine bewusst veröffentlichten Daten keine Machtmissbrauch zur Folge haben können, habe ich auch nicht zum Machtzuwachs von Facebook beigetragen. Die Macht hat Facebook aufgrund von Daten, deren Ersteller nicht über die „Gefahren“ dessen wissen, oder nicht wissen, dass sie die Daten überhaupt veröffentlicht haben. Wenn Daten veröffentlicht werden, können sie auch weiterverwendet werden. Wenn ich das nicht will, kann ich bei Facebook immer noch recht gut einstellen inwieweit ich was öffentlich machen will. Und wenn ich ganz ausschließen will, das meine Daten weiterverwertet werden, dann sollte ich die Finger von Facebook lassen.

Somit ist der kommerzielle Missbrauch von Daten durch Facebook eher gering einzuschätzen und nicht größer als bei alles bisherigen Firmen, die Daten über einen haben.

Google und die Macht

Ein weiterer Kandidat für Datenmissbrauch soll ja Google sein. Sofern ich Dienste von Google nutze, für die ich einen Account brauch, gilt hier die gleiche Argumentation wie bei Facebook. Habe ich keinen Account ist die Gefahr des Machtmissbrauchs eher gering. Es ist noch die individualisierte Suche anzuführen. Meine bisherigen Suchanfragen haben direkte Auswirkungen auf meine folgenden Ergebnisse. Das passiert auch ohne Googleaccount über den Cookie im Browser. Wenn ich das nicht will, kann ich diesen regelmäßig löschen. Auch hier erschließt sich kein größeres Missbrauchspotenzial als das, was uns sowieso schon lange umgibt.

Im einer fast komplett digitalen Gesellschaft muss sich das Verständnis von Veröffentlichung und „Public“ im Vergleich zu früher ändern. Wenn ich nicht will, dass meine Daten Dinge tun, die ich nicht authorisiert habe oder noch nichteinmal gedanklich fassen kann, dann darf ich kein Medium nutzen, welches für die Datenverbreitung konzipiert wurde. Der Mehrwert, welcher bei der Zusammenführung von Daten ensteht überwiegt zur Zeit einfach der Angst, das etwas Schlechtes dardurch passieren kann.

Machtmissbrauch durch staatliche Stellen

Wie ich gesagt habe, können die Unternehmen an sich keinen großen Machtmissbrauch ausüben. Die Gefahr geht primär vom Staat aus, der sich dieser Daten habhaft macht, denn nur der Staat hat die Möglichkeit mir das Leben wirklich schwer zu machen. Wenn wir also über Datenschutz und Datenmissbrauch reden, bringt es meiner Meinung nach nicht viel auf die Unternehmen zu schimpfen, da wir ihre kostenlosen Dienste mit unseren Daten bezahlen und bei der Anmeldung dies auch abnicken. Stattdessen muss dem Staat wirksam unterbunden werden auf diese Daten zuzugreifen. Facebook und Google haben vielleicht die Daten, aber die Macht und Möglichkeit zum Machtmissbrauch hat fast ausschließlich der Staat. Eine wirksame Möglichkeit Datenmissbrauch zu verhindern wäre also, das Bewusstsein der Nutzer von Internetdiensten zu schärfen, wenn es darum geht was sie veröffentlichen und dem Staat auf die Finger zu schauen damit ihre veröffentlichten Daten nicht repressiv gegen sie eingesetz werden. Beide Punkte sind nur gesellschaftlich und über einen längeren Zeitraum umsetzbar. Datenschutzgesetze sind nichts anderes als das kurzfristige Reparieren eines veralteten Systems.

Die Spackeria und der Datenschutz

Wie man sieht sind meine Ansichten durchaus mit der Spackeria in Einklang zu bringen und das ist auch gut so. Was mich aber stört ist, dass die Ziele der Spackeria mit der Abschaffung der Privatsphäre gleichgesetz werden. So habe ich es erschreckend oft aus dem CCC/Netzpolitik.org Umfeld gehört. Wer sowas behauptet hat sich damit nicht auseinander gesetzt. Es geht nicht darum Privatspäre abzuschaffen oder jeden zum digitalen Exibitionismus zu erziehen. Es gibt eine kleine Menge Personen die so leben und die Spackeria ist der Erklärungsversuch warum wir das so machen. Spackeresk heißt auch nicht, ALLE Daten veröffentlichen zu müssen. Es geht vielmehr darum einen Diskurs anzustoßen, der einerseits die Medienkompetenz stärken soll, indem man darüber nachdenkt, andererseits jeden für sich entscheiden lässt bis wohin sich mir ein Mehrwert bietet und wo bei mir die Grenze ist.

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Die letzten Wochen…

Ich sitze seit langem mal wieder vor dem Webinterface meines Blogs und habe beschlossen zu versuchen, all das, was mir die letzten Wochen durch den Kopf gegangen ist, in Worte zu fassen. Es ist gerade 3:25, heute habe ich um 8 Uhr Vorlesung und Kaffee ist frisch gebrüht. Ja die Nacht werde ich wohl nicht mehr zum schlafen kommen.

Doch was hat mich darauf gebracht hier einfach vor mich hin zu schreiben und am Ende zu gucken, was dabei rausgekommen ist? Ich wollte gerade ins Bett gehen, da kam mir dieser Link entgegen. Es handelt sich um den Versuch der Begriffserklärung „Neoliberal“. Ich dachte den les ich noch schnell, danach wird geschlafen. Doch beim Lesen wurde mir eindrucksvoll bewusst, dass all das, was dort drinnen beschrieben ist, genau das ist, was ich schon wusste, jedoch noch nie so auf den Punkt bringen konnte. Der Text hat mir in dem Sinne nichts Neues gezeigt, jedoch viel im Kopf geordnet und gleichzeitig Sachen an die Oberfläche geholt, die mich beschäftigt haben, über die ich bloggen wollte, es dann aber nicht getan habe.

Er hat mir auch gezeigt, das dieses Gefühl mit dem ich durch die Welt gehe, dass „nichts so ist wie es scheint“, zumindest was Politik angeht, keine Überinterpretation meines Gehirns ist, sondern, dass auch andere die selbe logische Argumentation auf die Interpretation anwenden. Dieses Gefühl, du selbst interpretierst Dinge, die andere nicht so sehen, enstand bei mir erst durch die intensive Nutzung von Twitter. Man sucht sich ja seine Follower nach Interessen aus. Von daher ist meine Timeline voll mit Menschen, die Geschehnisse in der Gesellschaft so interpretieren wie ich. Das erzeugt ersteinmal einen Glauben, ganz viele denken so wie du, welches von der Erkenntnis zerstört wird „Hey du kennst in deinem Bekanntenkreis vielleicht ne Handvoll, wenns hoch kommt, die auch so denkt, der Rest versteht dich gar nicht.“ Dieses Gefühl kann ziemlich unangenehm werden, vor allem, wenn man neue Menschen trifft. Jedoch ist es eine Frage der Charakterstärke und eigenen Überzeugung, ob man dennoch dieses Verhalten beibehält. Da ich ja vor 2 Monaten angefangen habe zu studieren, hat mich dies unmittelbar tangiert.

In der anfangs erwähnten PDF-Datei gab es eine Vielzahl von hochinteressanten Links, darunter auch einen zum Wikipediaartikel Technokratie und Plutokratie. Wärend Plutokratie für mich einleuchtend und logisch einzuordnen war, stieß ich bei Technokratie auf Unstimmigkeiten, besonders bezüglich des Absatzes: 

Im Vordergrund steht die rationale, effektive Planung und Durchführung zielorientierter Vorhaben. Während sich die Aufmerksamkeit ganz auf Mittel und Wege konzentriert, verringert sich die Bedeutung demokratischer Willensbildung und politischer Entscheidungsprozesse hinsichtlich der Wahl gesellschaftlicher Ziele

Ich bin ja ein sehr nüchterner rationaler Mensch. Von daher ist der erste Satz auch durchaus etwas, was ich so befürworte. Beim zweiten Satz sieht es dagegen anders aus. Die strikte Ausrichtung auf rationale Schlüsse und Effizienz, mag zwar bei der Durchführung einer technischen Aufgabe sehr gut funktionieren, jedoch ist sie gänzlich ungeeignet, sobald die „Komponente“ Mensch in die Aufgabe hineinfließt. Das macht die Technokratie für den reinen Arbeitsablauf zwar sehr attraktiv, jedoch macht es sie als System politischer und gesellschaftlicher Entscheidungen unwählbar. Den Menschen kann man nicht mittels Effizienz oder Planung beschreiben und einkalkulieren. Jeder Versuch sorgt für eine automatische Entmenschlichung, weil er in dieser Situation nur noch ein Haufen Zahlen und Werte ist. Rationalität bezüglich des Menschen ergibt das, was wir heutzutage im Begriff „Humankapital“ sehen, welchen ich zu tiefst verabscheue. Der Mensch ist in diesem System kein Mensch mehr, sondern ein Wert, eine Ware, was der Kapitalismus übrigens genauso sieht und was ihn damit automatisch unmenschlich macht. Doch auch wenn dieses System eigentlich gesellschaftlich falsch ist, glaube ich, dass die „Herrschaft der Sachverständigen“ wie es bei Wikipedia genannt wird, nötig sein wird, um eine Gesellschaft in Zukunft organisieren zu können. Der einzige Unterschied, der erfolgen muss, ist, dass die „Sachverständigen“ neben ihrer Verpflichtung der Rationalität gegenüber, nicht ihre Verpflichtung als Mensch gegenüber anderen Menschen vergessen.

Ein weiterer Punkt, der mich viel beschäftigt, ist Wikileaks. Jeder hat es die letzten Tage sicherlich mitbekommen. Es wurden ~250.000 Diplomatendepeschen geleakt. Wikileaks hat mich wieder zu der Frage nach der Transparenz der Gesellschaft geführt. Dabei habe ich gemerkt, dass ich inzwischen zur Postprivacy neige. Dabei geht es grob darum, wenn jeder alles über jeden wüsste, es uns egal sein würde und die Konsequenzen von heute nicht mehr existieren würden. Oder anders gesagt, wie verzichten auf unsere Privatsphäre. Und ich merke wie ich das wirklich mache. Ich führe Chatgespräche auf der Pinnwand von Facebook, mache wir aber gleichzeitig Sorgen, das der Chat von Facebook bei Pidgin eingebunden unverschlüsselt gesendet wird. Ich habe mir in diesem Thema noch kein abschließendes Urteil gebildet, jedoch weiß ich für mich soweit, das es nur um ein entscheidenden Punkt geht, ab wann eine verletzte Privatsphäre für mich zum Problem wird. Alles was ich freiwillig mache, mache ich aus vollen Bewusstsein und der mögliche Missbrauch meiner veröffentlichten Daten ist mir bewusst, doch wiegt für mich der Vorteil daraus größer, als die mögliche Gefahr. Alles was gegen diese Freiwilligkeit geschieht, ist etwas womit ich nicht einverstanden bin, weil mir jemand die Entscheidung für einen möglichen Weg entreißt. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich die Daten vielleicht sowieso freiwillig gegeben hätte. Wir sind alle per Gesetz mündige Bürger und haben die Möglichkeit unsere Handlungen frei zu wählen. Jeder Entriss dieser Entscheidungsmöglichkeit, sei es von staatlicher oder unternehmerischer Seite ist eine Entmündigung und somit eine Absprache des Rechts, selbst bestimmen zu können. Es wird dir außerdem der Grund genommen, dir über die Entscheidung Gedanken zu machen und zu einem eigenständigen Urteil zu kommen.

Wen das Thema interessiert, dem empfehle ich auf Twitter @mspro und @plomlompom und den Blog von mspro. Außerdem den Chaosradio Express zum Thema Privatsphäre mit den beiden.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass es noch so viel gab, was ich eigentlich noch in diesen Blogpost schreiben wollte und unter diesem Gesichtspunkt ist der Titel auch irgendwie falsch, aber was solls. Ma sehn ob ich es ab jetzt schaffe einfach jeden Gedanken festzuhalten wenn er kommt und irgendwie zu verarbeiten.